Neues Produkt bei XTB: US-Optionen auf Aktien und ETFs

Martin Krpenský Redaktionell geprüft
Veröffentlicht 6 Min. Lesezeit
Logo des Brokers XTB auf dunkelblauer Karte, Illustration zum Optionsangebot
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Optionen waren lange die Disziplin spezialisierter US-Broker. In diesem Jahr hat XTB sie in die eigene Plattform geholt – in Deutschland tauchten sie laut Hilfe-Center mit dem Update der Web-App vom 31. März 2026 auf, im April folgte der Start auf breiter Front. Das Angebot hat allerdings eine Eigenschaft, die es von allem unterscheidet, was man aus amerikanischen Lehrbüchern kennt: Optionen lassen sich hier ausschließlich kaufen.

In diesem Artikel schauen wir uns an, was genau XTB anbietet, wie der reine Barausgleich funktioniert und warum die Beschränkung auf den Kauf Schutz und Schranke zugleich ist.

Was eine Option ist und wie sie funktioniert

Eine Option ist ein Vertrag, der dem Käufer das Recht gibt – nicht die Pflicht –, einen Basiswert bis zu einem festen Termin zu einem vorab vereinbarten Kurs zu kaufen oder zu verkaufen. Dieses Recht hat einen einmaligen Preis, die Prämie. Der vereinbarte Kurs heißt Ausübungspreis oder Strike, der Endtermin Verfall.

Es gibt zwei Grundtypen. Ein Call verbrieft das Kaufrecht – er zahlt sich aus, wenn der Basiswert über den Strike steigt. Ein Put verbrieft das Verkaufsrecht – er gewinnt, wenn der Kurs unter den Strike rutscht. Mehr als die Prämie kann der Käufer nie verlieren: Läuft der Markt in die falsche Richtung, lässt er das Recht einfach verfallen.

Ein Rechenbeispiel mit frei erfundenen Zahlen: Eine Aktie notiert bei 100 Dollar, Sie kaufen einen Call mit Strike 110 für 3 Dollar Prämie. Springt die Aktie bis zum Verfall auf 120 Dollar, üben Sie das Recht aus – 10 Dollar Differenz minus 3 Dollar Prämie ergeben 7 Dollar Gewinn je Aktie. Schließt die Aktie irgendwo unter 110, verfällt die Option, und der Verlust ist exakt die gezahlte Prämie: 3 Dollar. Für den Put gilt dieselbe Mechanik spiegelverkehrt.

Gerade der begrenzte Verlust auf der Käuferseite ist der Grund, warum Optionen nicht nur der Spekulation dienen, sondern auch als Versicherung fürs Depot. In den Preis der Prämie fließen dabei zwei Dinge ein: wie viel Zeit bis zum Verfall bleibt und wie heftig der Basiswert schwankt – je mehr von beidem, desto teurer das Recht.

Was XTB konkret anbietet

Das Angebot besteht aus amerikanischen Vanilla-Optionen, der schlichtesten Bauform des Optionskontrakts. „Amerikanisch” meint dabei den Ausübungsstil: Das Recht lässt sich jederzeit bis zum Verfall ausüben, nicht erst am letzten Tag. Dass die Basiswerte obendrein aus den USA kommen, passt ins Bild.

Mehr als 140 Optionen stehen zur Auswahl. Neben großen US-Aktien wie Apple, Amazon oder Nvidia sind das ETFs auf den Nasdaq und den S&P 500 sowie auf Gold. In der Plattform firmiert das Ganze schlicht als „Optionen” – im Menü mit dem Etikett „Neu”, auf der Produktseite beworben als vereinfachter Optionshandel.

Nur Kauf: ausschließlich Buy-to-Open-Orders

Die wichtigste Eigenschaft des Angebots steht etwas versteckt im Hilfe-Center: Für Optionen lassen sich ausschließlich Buy-to-Open-Orders aufgeben, also Käufe zur Eröffnung einer Position. Vom Schreiben von Optionen – dem Verkauf eines Kontrakts, den man nicht besitzt – ist dort nirgends die Rede.

Für Käufer bedeutet das eine angenehme Gewissheit. Der schlimmstmögliche Ausgang ist der wertlose Verfall, verloren ist dann die gezahlte Prämie – mehr nicht. Auch die Produktseite hält fest, dass der maximale Verlust beim Kauf einer Option auf die Prämie begrenzt ist. Das theoretisch unbegrenzte Risiko eines Stillhalters kommt in diesem Modell gar nicht erst vor.

Zugleich zieht das eine Obergrenze ein. Strategien, die von eingenommenen Prämien leben – vom Covered Call bis zum Verkauf von Puts auf Aktien, die man ohnehin kaufen wollte –, lassen sich mit reinen Kauforders nicht abbilden. Wer so arbeitet, braucht einen Broker mit vollem Optionshandel.

Barausgleich in der Praxis

Alle Optionen auf der Plattform werden ausschließlich in bar abgerechnet. Bei der Ausübung wird die Differenz zwischen Ausübungspreis und aktuellem Marktkurs ermittelt und dem Konto gutgeschrieben. Aktien werden weder eingebucht noch geliefert.

Die praktische Folge: Mit einer Option bei XTB lässt sich keine Aktie verbilligt ins Depot holen, wie es Anleger bei Brokern mit physischer Lieferung tun. Es ist ein Werkzeug für die Arbeit mit dem Kurs, nicht für den Aufbau einer Position im Basiswert.

Wo und seit wann die Optionen laufen

MarktStart
ZypernJanuar 2026 (erster Lauf unter Aufsicht der CySEC)
Deutschland, SpanienApril 2026
Frankreich, Portugal, Tschechien, Slowakei26. Mai 2026
Polennoch nicht – die Freigabe der Aufsicht KNF steht aus

Der Rollout lief in Etappen: Die kleinere zyprische Einheit machte den Testlauf, die großen Märkte folgten im Frühjahr. In der deutschen Web-App waren die Optionen laut Hilfe-Center mit dem Update vom 31. März 2026 angekommen, samt Market Watch und Suchfunktion; ein offizielles Startdatum für Deutschland nennt die Produktseite nicht. Kurios bleibt der Heimatmarkt Polen, wo XTB weiter auf grünes Licht wartet.

Worauf man achten sollte

Die Prämie ist kein Pfand. Eine Option ist ein Recht, keine Pflicht – und Rechte kosten. Bewegt sich der Basiswert nicht in die erhoffte Richtung, verliert die Option mit näher rückendem Verfall an Wert, bis die Prämie vollständig weg ist. Je kürzer die Restlaufzeit, desto schneller läuft dieser Prozess.

Der Optionspreis hängt nicht nur am Basiswert. In die Prämie fließen auch Restzeit und Schwankungsintensität ein. Eine Option kann deshalb an Wert verlieren, obwohl der Markt in die richtige Richtung läuft – nur eben zu gemächlich.

Gebühren stehen im Preisverzeichnis. Konkrete Sätze für den Optionshandel nennt die Produktseite nicht. Vor der ersten Order lohnt deshalb der Blick in die aktuelle Kostenübersicht in der Plattform.

Ein Kontrakt, dessen Wert bis zum Verfall auf null laufen kann, ist kein Sparprodukt. Wer Zeitwert und Schwankung nicht verstanden hat, zahlt das Lehrgeld in Form verfallener Prämien.

Für wen sich die Optionen bei XTB eignen

Sinn ergibt das Angebot für Anleger, die mit vorab bekanntem, begrenztem Risiko auf steigende oder fallende Kurse einzelner Aktien oder Indizes setzen wollen – oder ihr Depot mit gekauften Puts absichern möchten. Der nüchternste Einsatz ist die Absicherung: Ein Put auf einen Index wirkt wie eine Versicherung gegen den Kurseinbruch, deren Preis von Anfang an feststeht.

Wenig anfangen können mit dem Angebot alle, die Optionen schreiben und Prämien kassieren wollen – und ebenso Anleger, die sich über Optionen Aktien ins Depot legen möchten, denn der Barausgleich lässt das nicht zu. Für Einsteiger gilt: Optionen verlangen ein gutes Stück mehr Verständnis als der einfache Kauf einer Aktie oder eines ETF.

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