Ein Demokonto ist die Übungsversion eines Handelskontos: dieselbe Plattform, dieselben Charts, dieselben Kurse, nur das Geld ist virtuell. Bei regulierten Brokern wird es kostenlos eröffnet und es ist der einzige Weg, Forex ohne eigene Einzahlung auszuprobieren — Boni ohne Einzahlung sind in der Europäischen Union verboten.
Wie viel das Demo bringt, hängt allerdings vollständig davon ab, wie Sie damit umgehen. Wer auf dem virtuellen Konto die Hälfte des Kapitals auf einen Trade setzt, trainiert genau die Gewohnheiten, wegen derer er später echtes Geld verliert.
Was sich im Demo trainieren lässt
Die Plattform und die Orders. Bevor Sie echtes Geld an den Markt schicken, sollten Sie blind eine Market- und eine Limit-Order aufgeben, einen Stop-Loss verschieben, die halbe Position schließen und die Historie Ihrer Trades in der Plattform finden können. Das ist eine mechanische Fähigkeit und dafür ist das Demo ideal.
Das eigene System. Im Demo zeigt sich, ob Regeln, die auf dem Papier gut aussehen, auch im laufenden Markt funktionieren. Dafür braucht es eine ausreichende Stichprobe — nicht drei Trades, eher dreißig bis fünfzig, und am besten über verschiedene Bedingungen hinweg: im Trend und in der Range, in ruhigen Phasen und bei Datenveröffentlichungen.
Die Brokerwahl. Sie sehen mit eigenen Augen, welche Spreads es gibt, wie schnell die Plattform reagiert, ob Ihnen die Fensteraufteilung liegt und ob der Support auf Deutsch antwortet. Zwei Demos parallel zu eröffnen und auf beiden denselben Trade aufzugeben, ist der schnellste Vergleich, den es gibt.
Was das Demo nicht zeigt
Hier muss man konkret werden, denn das allgemeine „ein Demo ist kein Livekonto“ hilft niemandem weiter.
Die Orderausführung ist vereinfacht. IG schreibt in seiner Dokumentation, dass Trades auf dem Demokonto weder Slippage noch Zins- und Dividendenanpassungen unterliegen. XTB gibt an, dass die Ausführung auf der Testplattform die Markttiefe nicht berücksichtigt, also immer zum aktuellen Kurs erfolgt und die Transaktionsgröße keinen Einfluss hat — auf dem Livekonto hat sie einen. Interactive Brokers weist darauf hin, dass Stop-Orders und komplexere Ordertypen im Übungsmodus stets simuliert werden und sich etwas anders verhalten können als im Livehandel.
Haltekosten können fehlen. Ob das Demo Swaps für Übernachtpositionen berechnet, ist von Broker zu Broker verschieden: IG gibt an, dass seine Demo-Trades keinen Zinsanpassungen unterliegen, XTB, dass auf Demokonten weder Dividenden noch andere Kapitalmaßnahmen ausgezahlt werden. Bei einer Strategie, die Positionen wochenlang hält, ist die Finanzierung aber der größte Kostenblock. Klären Sie das bei Ihrem Broker, bevor Sie aus den Demo-Ergebnissen einen Schluss ziehen.
Emotionen simuliert das Demo nicht. Einen Verlust von zweihundert virtuellen Dollar klickt man weg, zweihundert echte nicht. Es kommen Angst, der Drang, den Verlust schnell zurückzuholen, und Zweifel an einem System, das bis dahin funktioniert hat. Vollständig vorbereiten kann man sich darauf nicht — aber zu wissen, dass es kommt, dämpft die Wirkung.
Fünf Regeln, damit das Training etwas bringt
1. Setzen Sie einen realistischen Kontostand. Broker bieten Demos mit 100 000 Dollar an, weil das verlockend aussieht. Wenn Sie mit fünfhundert starten wollen, eröffnen Sie das Demo mit genau fünfhundert. Sonst trainieren Sie etwas anderes, als Sie später tun.
2. Riskieren Sie wie im Livehandel. Pro Trade höchstens ein bis zwei Prozent des Kontos und ein Stop-Loss auf jeder Position, ohne Ausnahme. Im Demo ist es verlockend, mehr zu riskieren, weil „es ja um nichts geht“ — und genau damit bauen Sie sich die Gewohnheit auf, die Sie im Livehandel Geld kosten wird.
3. Führen Sie ein Journal. Zu jedem Trade Instrument, Grund für den Einstieg, Positionsgröße, Stop-Loss, Ergebnis und ein Satz dazu, was gut lief und was nicht. Ohne Journal erfahren Sie aus fünfzig Trades nichts, weil Sie sich nach einem Monat nicht mehr erinnern, warum Sie eingestiegen sind.
4. Ändern Sie die Regeln nicht mitten im Test. Eine Strategie wird nach einer ausreichenden Stichprobe bewertet, nicht nach jeder Verlustposition. Das Springen zwischen Märkten und Systemen — heute Forex, morgen Krypto — ist der sicherste Weg, nie eine Stichprobe zu bekommen, aus der sich etwas ablesen lässt.
5. Nehmen Sie Wettbewerbe als Training, nicht als Spiel. Demo-Wettbewerbe zwingen dazu, sich an den Plan zu halten, und zeigen, wo Sie im Vergleich stehen. Für den Sieg unsinnige Beträge zu riskieren heißt aber, genau das zu trainieren, was Sie live nicht tun wollen.
Wie viel Hebel die Regulierung erlaubt
Der Hebel ist keine Broker-Einstellung, sondern eine regulatorische Obergrenze — und im Demo sollten Sie ihn genauso einstellen wie live. Für gewöhnliche (nichtprofessionelle) Kunden in der Europäischen Union gilt:
| Basiswert | Maximaler Hebel | Ersteinschuss |
|---|---|---|
| Große Währungspaare | 1:30 | 3,33 % |
| Übrige Währungspaare, Gold, große Aktienindizes | 1:20 | 5 % |
| Übrige Rohstoffe und Nebenindizes | 1:10 | 10 % |
| Einzelaktien und übrige Basiswerte | 1:5 | 20 % |
| Kryptowährungen | 1:2 | 50 % |
Achtung vor einem verbreiteten Missverständnis: Gold gehört nicht zu den „Rohstoffen mit Hebel 1:10“, es hat mit 1:20 eine eigene Stufe. Und die Grenzen hält heute nicht die ESMA — ihre Maßnahme lief 2019 aus, seitdem setzen die nationalen Aufsichtsbehörden sie mit eigenen Anordnungen durch.
eToro ist eine Multi-Asset-Investmentplattform. Der Wert Ihrer Anlagen kann steigen oder fallen. Ihr Kapital ist gefährdet.
Wann der Wechsel zum Livekonto ansteht
Eine allgemeingültige Frist gibt es nicht, einen sinnvollen Anhaltspunkt schon. Der Wechsel ergibt Sinn, wenn das Demokonto zwei bis drei Monate konsistent positive Ergebnisse zeigt, Sie Ihre eigenen Regeln ausnahmslos einhalten und einen schriftlichen Handelsplan haben.
Jahrelang im Demo zu bleiben, ergibt umgekehrt keinen Sinn. Irgendwann erfüllt es seinen Zweck nicht mehr, gerade weil ihm die emotionale Komponente fehlt. Ideal ist der Wechsel mit dem kleinstmöglichen Betrag und der kleinsten Positionsgröße — bei Forex ein Mikrolot — damit der psychologische Sprung so klein wie möglich ausfällt.
Und andersherum: Sind die Bedingungen nicht erfüllt, ist ein weiterer Monat im Demo keine verlorene Zeit.
Was Sie vor der Eröffnung prüfen sollten
Wie lange es läuft. Saxo bietet das Demo für zwanzig Tage an. XTB schreibt auf seiner Bildungsseite, das Konto werde nach dreißig Tagen inaktiv, die Gültigkeit lasse sich aber verlängern und der Kunde könne das Demo unbegrenzt nutzen — die eigene Hilfeseite behauptet dagegen, das Demo laufe überhaupt nicht ab. Genau deshalb lohnt es sich, das direkt beim Broker zu prüfen und nicht in Übersichten.
Ob das Demo auf derselben Plattform läuft wie das Livekonto. Training in einer anderen Oberfläche als der, in der Sie später handeln, verliert die Hälfte seines Nutzens.
Ob das Demo mit Echtzeitdaten arbeitet. Sonst trainieren Sie an etwas, das mit dem aktuellen Markt nichts zu tun hat.
Demokonto und Regulierung
Nach dem Verbot der Boni ohne Einzahlung ist das Demo der einzige legale Weg geblieben, den Markt in Europa ohne eigenes Geld auszuprobieren — warum die Boni verschwunden sind, haben wir separat aufgeschrieben.
Eine Sache gehört allerdings dazu: Ein eröffnetes Demokonto ist kein Nachweis, dass Sie das Risiko verstehen. Die ESMA zählt es zu den schlechten Praktiken, wenn ein Broker die Eröffnung eines Demos als Grundlage für den Schluss nimmt, der Kunde verstehe das Produkt, ohne zu prüfen, ob der Kunde es überhaupt genutzt hat. Anrechnen darf der Broker das Demo nur, wenn er belegt, dass der Kunde darauf tatsächlich lange genug und in entsprechenden Instrumenten gehandelt hat — und wer den Angemessenheitstest nicht besteht und auf ein Demo verwiesen wird, muss laut ESMA-Leitlinien erneut geprüft werden.
Den Unterschied zwischen Training und echtem Wissen regelt also nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch europäisches Recht.
Die regulatorischen Angaben sind zum August 2026 anhand von ESMA-Dokumenten geprüft, die Bedingungen der Demokonten anhand der Dokumentation der einzelnen Broker.