Epic Games Aktie: Bewertung und IPO-Stand

Martin Krpenský Redaktionell geprüft
Veröffentlicht Aktualisiert 4 Min. Lesezeit
Epic Games Aktie und der Stand rund um ein mögliches IPO
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Epic Games gehört zu den Unternehmen, deren Aktie viele Anleger suchen und niemand findet. Der Entwickler hinter Fortnite und der Unreal Engine wurde 1991 von Tim Sweeney gegründet und ist bis heute in Privatbesitz. Es gibt kein Börsenkürzel, keinen Handelsplatz und keine Notierung, weder in Frankfurt noch an einer US-Börse.

Das Geschäft ruht auf mehreren Säulen. Fortnite bringt seit 2017 den größten Teil der Erlöse und verdient nicht am Verkauf des Spiels, sondern an kosmetischen Inhalten und Saisonpässen. Daneben lizenziert Epic die Unreal Engine an fremde Studios, die damit eigene Titel bauen, und betreibt mit dem Epic Games Store eine eigene Vertriebsplattform. Deren Konditionen für Entwickler liegen unter denen der etablierten Konkurrenz, was dem Unternehmen Marktanteile bringt und regelmäßig Streit mit den großen Plattformbetreibern.

Was Epic Games wert ist

Die Bewertung erreichte im April 2022 ihren Höchststand bei 31,5 Milliarden Dollar. Es war die Zeit, in der Kapital in den Gaming-Sektor floss und Metaverse-Konzepte hoch gehandelt wurden.

Danach ging es abwärts. Als Disney im Februar 2024 mit 1,5 Milliarden Dollar einstieg, lag die Bewertung bei 22,5 Milliarden Dollar. Das ist immer noch eine erhebliche Summe, aber deutlich unter dem Stand von 2022 und ein Hinweis darauf, wie stark sich die Preise für Beteiligungen an Spielefirmen seither verschoben haben.

Ein drittes Preisniveau liefert der Sekundärmarkt, auf dem Mitarbeiter und frühere Geldgeber ihre Anteile untereinander weiterreichen. Zur Mitte des Jahres 2026 entsprachen die dort gehandelten Anteile einer Bewertung von rund 14,3 Milliarden Dollar, also etwa 30 Prozent unter der letzten offiziellen Finanzierungsrunde. Dieser Abschlag ist für sich genommen eine Information: Wer heute tatsächlich Anteile kauft, zahlt weniger, als das letzte Investorenkonsortium bezahlt hat.

Warum sich die Aktie nicht kaufen lässt

Es gibt keine Epic Games Aktie an einer öffentlichen Börse. Kein Broker kann sie ins Depot legen, weil es sie im regulierten Handel schlicht nicht gibt. Alles, was existiert, sind Anteile, die zwischen bestehenden Eigentümern wechseln.

Diese vorbörslichen Transaktionen laufen über spezialisierte Plattformen und Fonds, die ausschließlich qualifizierten und professionellen Anlegern offenstehen. Dort gelten Mindestanlagesummen im fünf- bis sechsstelligen Bereich, die Übertragung braucht in der Regel die Zustimmung des Unternehmens, und einen täglichen Kurs gibt es nicht. Für Privatanleger ist dieser Markt nicht zugänglich.

Auch die Preise dort geben die Lage nur eingeschränkt wieder. Die gehandelten Volumina sind klein, die Zahl der Beteiligten überschaubar, ein breiter Marktkonsens entsteht daraus nicht. Ein Preis, der aus laufendem Handel vieler Teilnehmer hervorgeht, würde erst mit einer Notierung an einer Börse entstehen.

Wann Epic Games an die Börse geht

Ein Termin steht nicht fest, und nichts deutet darauf hin, dass einer bevorsteht. Das Unternehmen hat bei der US-Börsenaufsicht kein Registrierungsdokument S-1 eingereicht, keine begleitenden Banken benannt, keine Preisspanne festgelegt und kein Datum genannt.

Diese Schritte sind nicht optional. Sie sind der Weg, den jedes US-Unternehmen vor einem Börsengang zurücklegt, und sie sind öffentlich nachvollziehbar. Solange davon nichts vorliegt, ist jede Terminangabe Spekulation. Das Fehlen dieser Unterlagen sagt mehr aus als jede Meldung über angebliche Vorbereitungen.

Gründer und Chef Tim Sweeney äußert seit Jahren, dass ihm der Privatbesitz entgegenkommt, weil er das Unternehmen nicht zwingt, sich nach Quartalszahlen zu richten. Die Eigentümerstruktur stützt diese Haltung. Sweeney hält die Kontrolle, große Minderheitsanteile liegen beim chinesischen Konzern Tencent und seit 2024 bei Disney. Ein Börsengang wäre unter diesen Umständen kein Zwang, sondern eine Entscheidung, die niemand treffen muss.

Was sich im Unternehmen bewegt

Im November 2025 kündigte Epic eine Zusammenarbeit mit Unity an, dem konkurrierenden Spiele-Engine-Anbieter. Titel, die in Unity entwickelt wurden, sollen sich direkt in Fortnite veröffentlichen lassen, und die Handelsplattform von Unity wird 2026 auch auf die Unreal Engine ausgeweitet.

Für Epic bedeutet das mehr Inhalte in Fortnite, und Fortnite ist die wichtigste Einnahmequelle des Hauses. Fremde Entwickler, die ihre Spiele ohne Werkzeugwechsel in die Plattform bringen können, senken die Hürde, Fortnite als Vertriebsweg zu nutzen.

Wer an Epic Games beteiligt ist

Der größte externe Anteilseigner ist Tencent. Der chinesische Konzern übernahm 2012 rund 40 Prozent für 330 Millionen Dollar, zu einem Zeitpunkt, an dem Fortnite noch fünf Jahre entfernt war.

Sony stieg 2020 mit 250 Millionen Dollar ein und stockte später auf. Im Jahr 2022 kamen Sony und KIRKBI, die Investmentgesellschaft der LEGO-Eigentümerfamilie, mit je einer Milliarde Dollar hinzu. Diese Runde markierte die Bewertung von 31,5 Milliarden Dollar. Den vorerst letzten Zufluss brachte Disney im Februar 2024 mit 1,5 Milliarden Dollar.

Das Geld floss unter anderem in die Unreal Engine 5, den Ausbau des Epic Games Store und die Infrastruktur hinter Fortnite. Aus Sicht der Geldgeber ist die Beteiligung an einem privaten Unternehmen ohne Ausstiegsdatum eine geduldige Anlage. Ein Börsengang wäre der übliche Weg, um diese Positionen liquide zu machen, aber er ist nicht der einzige und keiner der Beteiligten hat ihn angekündigt.

Epic Games von der Gründung 1991 bis zur Bewertung am Sekundärmarkt 2026

Was bleibt

Wer an der Entwicklung von Epic Games teilhaben möchte, findet dafür an der Börse derzeit keinen Weg. Die Anteile sind vergeben, der vorbörsliche Handel bleibt qualifizierten Anlegern vorbehalten, und ein Verfahren für einen Börsengang läuft nicht.

Sollte sich das ändern, wäre es an den Unterlagen bei der Börsenaufsicht zu erkennen, lange bevor ein erster Kurs gestellt wird. Bis dahin bleibt Epic Games ein privates Unternehmen mit einer überschaubaren Zahl großer Eigentümer, dessen Wert sich nur an den Preisen einzelner Transaktionen ablesen lässt.

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