Neuralink Aktie kaufen: warum es nicht geht

Martin Krpenský Redaktionell geprüft
Veröffentlicht 8 Min. Lesezeit
Neuralink Schriftzug vor einer Darstellung von Nervenbahnen im Gehirn
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Neuralink entwickelt ein Implantat, das gelähmten Menschen erlaubt, einen Computer allein mit Gedanken zu steuern. Das Interesse der Anleger ist groß. Die Frage, wo man die Neuralink Aktie kaufen kann, gehört zu den häufigsten rund um dieses Unternehmen.

Die kurze Antwort

Es geht nicht. Weder über einen deutschen Broker noch über eine Börse. Es existiert schlicht kein Wertpapier, das man kaufen könnte.

Dieser Text erklärt, warum das so ist, wie viel Geld die Firma bei Investoren eingesammelt hat, was sie in dieser Zeit tatsächlich erreicht hat und wohin ein Anleger kommt, wenn ihn das Themenfeld als Ganzes interessiert.

Warum sich die Aktie nicht kaufen lässt

Es geht nicht um ein Handelsverbot. Es kommen drei Gründe zusammen.

Das Unternehmen ist privat. Neuralink ist nie an die Börse gegangen. Es gibt weder ein Tickersymbol noch eine ISIN. In der Broker App lässt sich also gar nichts eingeben.

Zweitmärkte verlangen einen US-Status. Plattformen wie Forge Global, EquityZen oder Nasdaq Private Market vermitteln Anteile privater Firmen, aber nur an sogenannte akkreditierte Investoren nach amerikanischer Definition. Die verlangt ein Einkommen von über 200.000 US-Dollar pro Jahr in zwei aufeinanderfolgenden Jahren oder ein Nettovermögen von über einer Million US-Dollar ohne das selbst genutzte Wohneigentum. Wer in Deutschland lebt und normal anlegt, erfüllt diese Hürde nicht.

Die Einstiegssummen sind hoch. Selbst wer den Status erreicht, stößt auf Mindestordergrößen im Bereich von mehreren zehntausend US-Dollar.

Wie viel Geld Investoren gegeben haben

Das ist der einzige Teil der Geschichte mit harten Zahlen. Neuralink muss jede Finanzierungsrunde der US Börsenaufsicht über das Formular Form D melden. Darin steht die gezeichnete Summe.

RundeJahrGezeichnet
Series A201727,0 Mio. USD
Series B201939,3 Mio. USD
Series C2021205,9 Mio. USD
Series D2023323,2 Mio. USD
Series E2025649,0 Mio. USD

Zusammen sind das 1,244 Milliarden US-Dollar. Die Series C führte Vy Capital an, weitere Investoren sind Google Ventures, DFJ Growth, Valor Equity Partners, Craft Ventures, Founders Fund und Gigafund. An der letzten Runde im Juni 2025 beteiligten sich 49 Investoren, darunter ARK Invest, Sequoia Capital, Thrive Capital und der katarische Staatsfonds QIA.

Was das Unternehmen bisher erreicht hat

Geld ist die eine Sache, Ergebnisse die andere. Hier ist der Fortschritt seit 2024 groß.

Die erste Implantation bei einem Menschen führte Neuralink am 28. Januar 2024 durch. Einen Tag später machte Elon Musk sie öffentlich. Der Patient war Noland Arbaugh, ein Mann, der nach einem Unfall gelähmt ist.

Zum 28. Januar 2026 nennt die Firma 21 Teilnehmer, die in Studien eingebunden sind. Klinische Studien laufen in vier Ländern: in den Vereinigten Staaten, in Kanada, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Großbritannien. Das Register für klinische Studien führt sechs davon mit einem Gesamtziel von 47 Teilnehmern.

Wichtig ist auch, was die Firma bisher nicht hat. Die US Behörde FDA hat zwei Programmen die Einstufung Breakthrough Device erteilt, konkret dem System Blindsight zur Wiederherstellung des Sehvermögens und einem Programm zur Wiederherstellung der Sprache. Das bedeutet aber nur einen beschleunigten Austausch mit der Behörde, keine Verkaufserlaubnis. In der Datenbank der FDA hat Neuralink keine einzige Marktzulassung. Das Implantat wird bis heute ausschließlich im Rahmen klinischer Studien eingesetzt.

Zu welchem Preis Anteile außerhalb der Börse gehandelt werden

Nasdaq Private Market nennt zum 22. Juli 2026 einen Wert von 227,88 US-Dollar je Neuralink Anteil. Man sollte wissen, was diese Zahl ist und was sie nicht ist.

Die Plattform bezeichnet sie ausdrücklich als eigene Schätzung und nicht als Preis aus einem tatsächlich ausgeführten Geschäft. Sie entsteht aus einem Modell und nicht aus dem Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage. Es fehlt ihr genau das, was einen Marktpreis zum Marktpreis macht, nämlich ausreichendes Volumen und ein öffentliches Orderbuch.

Für einen Vergleich mit der Börse reicht das nicht. Bei einer börsennotierten Firma wissen Sie, wie viele Aktien es gibt und zu welchem Kurs sie gerade gehandelt werden. Bei Neuralink wissen Sie beides nicht.

Ist ein Börsengang geplant?

Stand August 2026 gibt es dafür kein öffentliches Signal, und das ist mehr als nur die Aussage, dass man nichts gefunden hat.

Neuralink hat bei der US Börsenaufsicht in seiner gesamten Geschichte sechs Dokumente eingereicht, und alle sind vom Typ Form D, also Meldungen über eine nicht öffentliche Platzierung. Das Registrierungsdokument S-1, mit dem ein Börsengang beginnt, hat die Firma nie eingereicht, auch nicht vertraulich. Die jüngste Einreichung überhaupt stammt aus dem Juni 2025.

Hier entsteht der häufigste Irrtum. SpaceX ging im Juni 2026 an die Nasdaq, und viele Menschen nehmen an, dass sie damit ein Stück von Musks Firmengeflecht samt Neuralink kaufen.

Das tun sie nicht. Es sind zwei getrennte Unternehmen mit getrennten Eigentümern. Wir haben das in den Unterlagen von SpaceX selbst nachgesehen. Im Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026 kommt Neuralink kein einziges Mal vor. Im Emissionsprospekt wird der Name dreimal genannt, und zwar nur in den Lebensläufen des Managements und in den Risikofaktoren. Keine Beteiligung.

Die SpaceX Aktie kann ein Anleger kaufen. Eine Beteiligung an Neuralink bekommt er damit nicht.

Wohin ein Anleger tatsächlich kommt

Zu Neuralink nicht, zum Themenfeld schon.

UnternehmenTickerBörse
ONWARD MedicalONWDEuronext Amsterdam und Brüssel
NeuroPaceNPCENasdaq
MedtronicMDTNYSE
AbbottABTNYSE
Boston ScientificBSXNYSE
LivaNovaLIVNNasdaq

ONWARD Medical ist eine niederländische Firma mit einem eigenen Programm zur Verbindung von Gehirn und Rückenmark und damit das nächstgelegene europäische Pendant zum Thema. NeuroPace stellt einen implantierbaren Neurostimulator gegen Epilepsie her und gilt als das einzige börsennotierte kommerzielle Unternehmen dieser Art in den USA. Die übrigen vier Namen sind große Hersteller von Medizintechnik mit Sparten für Neuromodulation, bei denen dieser Bereich allerdings nur einen Bruchteil des Umsatzes ausmacht.

Konkurrenten, die ebenfalls nicht an der Börse sind

Neuralink ist in diesem Feld nicht allein, und manche Wettbewerber sind bei der Zulassung weiter.

Synchron setzt sein Implantat über die Blutgefäße ein, ohne den Schädel zu öffnen, und hat rund 345 Millionen US-Dollar eingesammelt. Precision Neuroscience, gegründet von Neuralink Mitgründer Benjamin Rapoport, hat ein Implantat, das auf der Gehirnoberfläche aufliegt, und ist im Zulassungsprozess am weitesten von allen. Paradromics setzt auf eine hohe Datenrate und hat im Jahr 2025 erstmals Signale aus einem menschlichen Gehirn aufgezeichnet.

Blackrock Neurotech ist der älteste Anbieter der Branche, dessen Elektrodenfelder Forscher seit Jahrzehnten nutzen. Im Jahr 2024 übernahm Tether die Kontrolle, der Herausgeber des Stablecoins. Ein neuer Herausforderer ist Merge Labs von Sam Altman, wo OpenAI den größten Scheck ausgestellt hat.

Keine dieser Firmen ist börsennotiert. Das gesamte Feld steckt bislang in der Phase des Risikokapitals und bleibt für Kleinanleger verschlossen.

Was das für den Anleger bedeutet

Wer Neuralink im Depot haben will, muss auf einen Börsengang warten, den bisher niemand angekündigt hat. Wer das Themenfeld sucht, findet die börsennotierten Firmen aus der Tabelle weiter oben und muss damit leben, dass Neurotechnologie bei den großen Herstellern nur ein kleiner Teil des Geschäfts ist.

Die Angaben in diesem Artikel gelten zum Datum der letzten Aktualisierung. Bei einer privaten Firma können sie sich ohne öffentliche Mitteilung ändern.

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