Beide Oszillatoren stammen von Bill Williams. Im Chart erscheinen sie als Reihe grüner und roter Balken unter dem Kurs. Der erste misst das Momentum, der zweite dessen Beschleunigung.
Was der Awesome Oscillator berechnet
Der Awesome Oscillator vergleicht die kurzfristige Bewegung mit einer längeren. Gerechnet wird nicht mit Schlusskursen, sondern mit der Mitte der Kerze, also mit dem Median aus Hoch und Tief.
Beide Zahlen, 5 und 34, sind Glieder der Fibonacci-Folge. Liegt der AO über Null, liegt der Fünf-Perioden-Durchschnitt über dem 34-Perioden-Durchschnitt. Im Tageschart heißt das, dass in der vergangenen Woche höher gehandelt wurde als im Schnitt der letzten rund sieben Wochen. Unter Null gilt das Umgekehrte.
Der Wert selbst sagt nichts aus, weil er nicht normiert ist. Bei Gold fällt er in einer anderen Größenordnung aus als bei einem Währungspaar. Aussagekraft haben die Form des Verlaufs und die Seite der Null.
Grün und Rot bedeuten nicht bullisch und bärisch
Das ist der häufigste Irrtum bei beiden Indikatoren. Die Farbe richtet sich nicht nach der Null, sondern nach dem vorherigen Balken. Ein Balken ist grün, wenn er höher steht als der davor, und rot, wenn er niedriger steht.
Ein grüner Balken tief unter Null steht also nicht für einen bullischen Markt. Er bedeutet, dass der Rückgang langsamer geworden ist. Genauso gehört ein roter Balken weit über Null immer noch zum Anstieg, nur eben zu einem Anstieg, der an Tempo verliert.

Oben der Kurs, in der Mitte der AO, unten der AC. Beachten Sie, dass der AC unter Null fällt, während der AO noch weit darüber steht.
Der Accelerator Oscillator misst die Beschleunigung
Der Accelerator entsteht aus dem Awesome Oscillator mit einem einzigen weiteren Schritt.
Momentum ist Geschwindigkeit. Beschleunigung ist die Änderung dieser Geschwindigkeit. Ein Auto, das mit 130 fährt und vom Gas geht, fährt weiterhin schnell, wird aber bereits langsamer. Der AO stünde hoch, der AC schon unter Null.
Drei Signale des Awesome Oscillators
Williams hat zum AO drei Muster beschrieben. Alle drei Muster liest man an den Balken ab.

Alle drei in einem einzigen Verlauf. Untertasse (1), doppelter Gipfel mit niedrigerem zweitem Gipfel (2) und Durchbruch der Nulllinie (3).
Wie viele Balken beim Accelerator Oscillator reichen
Beim AC kommt es darauf an, ob Sie mit dem Momentum handeln oder dagegen. Gegen die Richtung verlangt Williams einen Balken mehr als Bestätigung.
| Ich will | AC liegt | Ich brauche |
|---|---|---|
| kaufen | über Null | zwei grüne Balken |
| kaufen | unter Null | drei grüne Balken |
| verkaufen | unter Null | zwei rote Balken |
| verkaufen | über Null | drei rote Balken |
Anders als beim AO wartet man beim AC nicht auf den Durchbruch der Null. Die Null bestimmt hier nicht das Signal, sondern nur, wie viele Balken Sie brauchen.
Wo beide Indikatoren versagen
Der AO braucht 34 Kerzen Historie, der AC noch einmal fünf mehr. In einem frisch eröffneten Markt oder direkt nach einer Wochenendlücke zeigen die ersten rund vierzig Kerzen gar nichts.
Das größere Problem ist ein Markt ohne Richtung. Beide Indikatoren sind die Differenz gleitender Durchschnitte, deshalb bleiben sie in einer Seitwärtsbewegung nahe der Null, und ein Durchbruch der Nulllinie jagt den nächsten. Signale aus einem solchen Abschnitt haben keine Aussagekraft.
Die Bezeichnung Frühindikator, die beim AC üblicherweise auftaucht, bedeutet nur, dass er früher dreht als der AO. Nicht, dass er den Kurs vorhersagt.
Ausführlicher behandelt die gleitenden Durchschnitte, aus denen beide Indikatoren entstehen, ein eigener Artikel über den gleitenden Durchschnitt.