DCF-Methode: Berechnung und Erklärung

Martin Krpenský Redaktionell geprüft
Veröffentlicht Aktualisiert 7 Min. Lesezeit
DCF-Methode: Berechnung und Erklärung
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Die DCF-Methode (Discounted Cash Flow) leitet den Wert eines Unternehmens aus dem Geld ab, das es in Zukunft erwirtschaften soll. Statt auf den aktuellen Börsenkurs oder auf vergangene Gewinne zu schauen, rechnet das Modell künftige Cashflows auf ihren heutigen Wert zurück.

Wie die DCF-Methode funktioniert

Der Gedanke dahinter ist einfach: Ein Euro, der erst in fünf Jahren auf dem Konto liegt, ist heute weniger wert als ein Euro in der Hand. Die Rechnung zinst deshalb jeden erwarteten Cashflow mit einem Satz ab, der sowohl den Zeitwert des Geldes als auch das Risiko der Prognose abbildet.

Am besten trägt die Methode bei Unternehmen mit planbaren, stabilen Cashflows. In der Praxis taucht sie bei Fusionen und Übernahmen auf, bei der Bewertung von Investitionsprojekten und in der Analyse der finanziellen Lage eines Unternehmens. Auch langfristig orientierte Anleger greifen darauf zurück, wenn sie wissen wollen, was ein Geschäftsmodell auf Sicht von Jahren tatsächlich abwirft.

Das Risiko steckt im Abzinsungssatz. Je unsicherer die künftigen Zahlungsströme, desto höher fällt er aus, und desto weniger wiegen weit entfernte Jahre im Ergebnis.

Warum die Methode so verbreitet ist

Sie liefert eine Bewertung von innen heraus. Der Blick richtet sich auf die künftige Ertragskraft, nicht auf die Marktstimmung des Tages. Damit lässt sich abschätzen, welcher Wert in einem Unternehmen steckt, wenn die unterstellten Erwartungen eintreten.

Berechnet wird die DCF-Methode nach dieser Formel:

DCF-Formel

DCF = CF₁ / (1+r)¹ + CF₂ / (1+r)² + … + CFn / (1+r)ⁿ

  • CF – erwarteter Cashflow der jeweiligen Periode, meist eines Jahres
  • r – Abzinsungssatz, also die geforderte Rendite beziehungsweise die Kapitalkosten
  • n – Zahl der Perioden, über die das Unternehmen Cashflows erwirtschaftet

Der Rechenweg ist kein Hindernis. Die Formel wirkt auf den ersten Blick sperrig, von Hand rechnet sie aber niemand mehr. Kostenlose Online-Rechner nehmen die erwarteten Cashflows und den Abzinsungssatz entgegen und geben den Barwert direkt aus. Die eigentliche Arbeit liegt woanders, nämlich bei den Annahmen, die man in das Modell hineinschreibt.

Wie eine DCF-Analyse abläuft

Der Ablauf hat vier Schritte, und jeder baut auf dem Ergebnis des vorherigen auf.

1. Prognose der Cashflows

Schätzung der künftigen Zahlungsströme aus der Geschäftsentwicklung der Vergangenheit und den Annahmen zum Wachstum. Je länger der Horizont, desto geringer die Verlässlichkeit.

2. Abzinsungssatz

Meist die gewichteten Kapitalkosten (WACC). In sie fließen die Kosten des Fremdkapitals, die Renditeforderung der Eigentümer und die Risikoprämie ein.

3. Restwert (Terminal Value)

Der Wert des Unternehmens nach dem Ende des Prognosezeitraums. Berechnet wird er über eine ewige Rente mit konstantem Wachstum oder über ein Multiple vergleichbarer Unternehmen.

4. Summe der Barwerte

Die abgezinsten Cashflows und der Restwert werden addiert. Heraus kommt ein geschätzter Unternehmenswert, den man dem Börsenkurs gegenüberstellt.

Der freie Cashflow, mit dem gerechnet wird

In die Formel geht nicht der bilanzielle Gewinn ein, sondern der freie Cashflow (Free Cash Flow) – also das Geld, das nach laufendem Geschäft und Investitionen übrig bleibt.

FCF = EBIT × (1 − T) + Abschreibungen − Investitionen (CapEx) − Veränderung des Working Capital

  • EBIT – operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern
  • T – Ertragsteuersatz
  • Abschreibungen – nicht zahlungswirksamer Aufwand, der wieder hinzugerechnet wird
  • CapEx – Ausgaben für das Anlagevermögen
  • Working Capital – Geld, das in Vorräten und Forderungen gebunden ist

Für welche Unternehmen die Methode taugt und wo sie scheitert

Sie funktioniert dort, wo sich das künftige Geschäft überhaupt abschätzen lässt: bei etablierten Unternehmen mit stetigen Zahlungsströmen, in Branchen mit berechenbarer Nachfrage und bei Gesellschaften mit langer Ergebnishistorie.

An ihre Grenzen stößt sie bei Unternehmen ohne Gewinn oder mit schwankenden Cashflows, in zyklischen Branchen und bei jungen Gesellschaften, deren Wert überwiegend im Restwert steckt – also in einer Zahl, die selbst nur eine Schätzung ist. Das Ergebnis reagiert empfindlich auf die Eingaben: Ein einziger Prozentpunkt mehr oder weniger beim Abzinsungssatz verschiebt die Bewertung um Dutzende Prozent. Deshalb dient die DCF-Methode als eine von mehreren Grundlagen, nicht als eigenständige Antwort.

Selbst nachrechnen

Die Formel müssen Sie nicht von Hand zusammensetzen. Im DCF-Rechner geben Sie Cashflows, Abzinsungssatz und Horizont ein und sehen den Barwert sowie die Verteilung auf die einzelnen Jahre.

Was die Methode bei der Aktienauswahl leistet

Bei der Beurteilung einzelner Aktien zeigt die DCF-Methode (Discounted Cash Flow), welcher Wert sich aus dem künftigen Geschäft ergibt, statt nur den Kurs zu spiegeln. Wer die Rechnung aufstellt, sieht schwarz auf weiß, welches Wachstum und welche Margen im aktuellen Kurs bereits eingepreist sind.

Das Modell lässt sich zudem in Szenarien durchspielen. Ändert man den Abzinsungssatz, die Wachstumsannahme oder die Marge, wird sichtbar, wie stark der berechnete Wert darauf reagiert. Genau diese Sensitivitätsanalyse ist oft aufschlussreicher als die einzelne Zahl am Ende.

Aus dem Vergleich von berechnetem Wert und Börsenkurs lässt sich ableiten, ob der Markt ein Unternehmen höher oder niedriger bewertet als das eigene Modell. Eine Handlungsanweisung ist das nicht. Beide Seiten des Vergleichs beruhen auf Annahmen, und die des Marktes können sich als die besseren erweisen.

DCF-Analyse in verschiedenen Branchen

Die Rechenlogik bleibt überall dieselbe, die Parameter nicht. Jede Branche bringt Eigenheiten mit, die Prognosezeitraum, Abzinsungssatz und Restwert prägen. Die folgenden Bandbreiten sind Erfahrungswerte aus der Bewertungspraxis, keine festen Vorgaben.

Technologie

Technologieunternehmen wachsen früh schnell und weisen dabei unstete Cashflows aus. Üblich sind längere Prognosezeiträume von sieben bis zehn Jahren und höhere Abzinsungssätze wegen der größeren Unsicherheit. Die Wachstumsrate im Restwert liegt meist zwischen 3 und 5 Prozent, wobei kurze Produktlebenszyklen und der schnelle technologische Wandel zu berücksichtigen sind.

Versorger und Energie

Versorger und Energieunternehmen liefern das Gegenteil: sehr stetige, planbare Zahlungsströme. Hier sind kürzere Prognosezeiträume von fünf bis sieben Jahren üblich und niedrigere Abzinsungssätze von typischerweise 6 bis 8 Prozent, weil das regulierte Umfeld für Stabilität sorgt. Das Wachstum im Restwert wird meist mit 1 bis 2 Prozent angesetzt, was der langfristigen Entwicklung der Gesamtwirtschaft entspricht.

Finanzsektor

Für Banken und Versicherer passt das Standardmodell nur bedingt. Verbreitet sind stattdessen angepasste Varianten, etwa das Dividendendiskontierungsmodell oder ein Ansatz über den Überschusskapital-Bestand. Die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen und die Zinsentwicklung gehören zwingend in die Rechnung.

Handel und Konsumgüter

Im Einzelhandel verdienen Saisonalität und Working Capital besondere Aufmerksamkeit. Die Prognosen enthalten meist eine detaillierte Betrachtung der Flächenexpansion und des flächenbereinigten Umsatzwachstums. Abzinsungssätze liegen typischerweise zwischen 8 und 12 Prozent, das Wachstum im Restwert bei rund 2 bis 3 Prozent.

Industrie

Industrieunternehmen erfordern eine sorgfältige Betrachtung der Investitionen und ihres zyklischen Charakters. Konjunkturzyklen und deren Wirkung auf die Investitionstätigkeit gehören ins Modell. Abzinsungssätze bewegen sich üblicherweise zwischen 9 und 13 Prozent, das Wachstum im Restwert zwischen 2 und 3 Prozent.

Pharma

Bei Pharmaunternehmen zählen Forschung und Entwicklung, der Patentschutz und die Pipeline neuer Präparate. Weil die Entwicklung eines Medikaments lange dauert, kann der Prognosezeitraum zehn Jahre und mehr umfassen. Die Abzinsungssätze fallen mit typischerweise 10 bis 15 Prozent höher aus, weil der Erfolg der Forschung ungewiss bleibt.

Immobilien

Bei Immobiliengesellschaften wird die DCF-Rechnung häufig mit dem Nettoinventarwert (NAV) kombiniert. Wert des Portfolios, Vermietungsquote und Mietniveau bestimmen das Ergebnis. Die Abzinsungssätze liegen wegen der stetigen Mieteinnahmen meist niedriger, etwa bei 6 bis 9 Prozent.

Was in ein DCF-Modell gehört

Die Bewertung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Der Restwert macht in vielen Modellen den größeren Teil des Ergebnisses aus, berechnet über eine ewige Rente oder ein Exit Multiple. Als Zahlungsgröße dient der freie Cashflow, der die finanzielle Leistungsfähigkeit realistischer abbildet als der bilanzielle Gewinn.

Die Genauigkeit hängt stark am Abzinsungssatz, meist ermittelt über den WACC, in den die Kosten von Eigen- und Fremdkapital eingehen. Ebenso wichtig sind die Eingangsgrößen selbst: Die Cashflow-Prognose muss historische Daten und begründete Erwartungen zusammenbringen, ohne das Wachstum in die Zukunft fortzuschreiben, nur weil es in der Vergangenheit gut lief.

Zur sauberen Anwendung gehören eine Sensitivitätsanalyse und das Bewusstsein für die Grenzen des Verfahrens. In der Praxis steht die DCF-Methode selten allein. Sie wird mit Multiplikatorverfahren oder einem Substanzwertansatz kombiniert, weil jedes Verfahren eigene Stärken und blinde Flecken hat. Mehrere Blickwinkel und eine ehrliche Prüfung der Annahmen führen zu belastbareren Ergebnissen als eine einzelne Zahl aus einem einzelnen Modell.

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