Bitcoin wird gern als digitales Gold beschrieben. Beide Anlagen sind in der Menge begrenzt, beide zahlen keine Zinsen, und gekauft werden beide mit dem Gedanken, dass Geld auf dem Konto an Wert verliert. Der Vergleich legt allerdings nahe, Bitcoin sei einfach Gold mit höherem Tempo.
Auf die Frage, womit man mehr verdient hat, gibt es zwei richtige Antworten. Es kommt darauf an, wann Sie gekauft haben, und zwischen den beiden Antworten liegt der Faktor hundert.
Zehn Jahre Bitcoin, fünf Jahre Gold
Zehn Jahre zurück, also ab September 2016, ist der Vergleich schon in der ersten Runde entschieden. Bitcoin kostete 610 Dollar und kostet heute über 76.000, das 126-Fache. Gold und der S&P 500 legten im selben Zeitraum jeweils rund 254 Prozent zu.

Gold, Bitcoin und der S&P 500 seit September 2021, der Startwert liegt bei allen dreien bei 100. Quelle: Yahoo Finance, monatliche Schlusskurse GC=F, BTC-USD und ^GSPC, eigene Berechnung.
Seit September 2021 hat Gold 164 Prozent zugelegt, Aktien 78 und Bitcoin 76. In den vergangenen fünf Jahren schneidet Bitcoin von den dreien also am schlechtesten ab.
Im Juli 2025 stand Bitcoin bei Index 264, ungefähr dort, wo heute Gold steht. Danach fiel er und kam nicht mehr zurück. Sein Hoch erreichte er am 6. Oktober 2025 bei 124.753 Dollar und liegt seitdem 38 Prozent darunter. Gold hatte sein Maximum am 29. Januar 2026 bei 5.318 Dollar und hat davon 13 Prozent abgegeben.
Wie tief es zwischendurch ging
In den betrachteten fünf Jahren fiel Bitcoin von seinem Hoch im schlimmsten Fall um 73 Prozent, der Tiefpunkt kam im Dezember 2022. Über zehn Jahre waren es sogar 76. Gold verlor in denselben Zeiträumen höchstens 23 Prozent, amerikanische Aktien 25.
Wer die zwölftausend Prozent erleben wollte, musste den Absturz auf ein Viertel aushalten.
Eine Aktie kam fast mit
Stellen wir Bitcoin die Aktien gegenüber, die sich in denselben zehn Jahren am besten geschlagen haben. Seit September 2016 legte Bitcoin über 12.500 Prozent zu, Nvidia in derselben Zeit über 12.400. Im Chart ist der Unterschied nicht zu erkennen, beides ist ungefähr das 126-Fache. Die übrigen Namen, die in solchen Vergleichen auftauchen, liegen eine Größenordnung dahinter. Apple kam auf 990 Prozent, Microsoft auf 738, Amazon auf 520 und Visa auf 348.
In Geld gerechnet wären aus 1.000 Dollar vom September 2016 heute rund 126.000 Dollar bei Bitcoin geworden, 125.000 bei Nvidia, 11.000 bei Apple und knapp 4.000 bei Gold wie beim S&P 500.
Nvidia brauchte dafür keinen Einbruch um drei Viertel. Und anders als bei Bitcoin steht dahinter ein Unternehmen, das diese Zahlen mit dem Verkauf von Chips verdient hat.
Wie viel es gibt und was es wert ist
Gold wird seit Jahrtausenden gefördert, und niemand weiß, wie viel davon noch im Boden liegt. Der World Gold Council schätzt den Bestand über der Erde auf 220.700 Tonnen, zwei Drittel davon kamen erst nach 1950 aus den Minen. Beim Preis von 4.482,95 Dollar je Unze, dem Londoner Nachmittagsfixing vom 20. August 2026, sind das rund 32 Billionen Dollar.
Bitcoin wird es höchstens 21 Millionen geben. Heute existieren 20.071.518, knapp 96 Prozent des künftigen Bestands. Bei einem Kurs um 77.000 Dollar sind alle Bitcoins zusammen 1,55 Billionen Dollar wert. Gold ist damit der zwanzigmal größere Markt.
Beim Tempo, in dem beides nachwächst, dreht sich das Bild. 2025 wurden 3.672 Tonnen Gold gefördert, ein Rekord, und der Bestand über der Erde wuchs dadurch um 1,7 Prozent. Bei Bitcoin kommen seit der Halbierung der Belohnung im April 2024 164.250 Stück pro Jahr dazu, also 0,82 Prozent. Mit der nächsten Halbierung, die um den April 2028 erwartet wird, sinkt das Tempo auf die Hälfte.
An dieser Stelle passt der Vergleich mit dem digitalen Gold.
Woran sich beide unterscheiden
Gold ist Materie. Es muss irgendwo liegen, der Transport kostet Geld, und die Echtheit prüft entweder ein Gerät oder das Vertrauen in den Händler. Dafür lässt es sich nicht abschalten und nicht löschen.
Bitcoin ist ein Eintrag in einem Netzwerk. Ans andere Ende der Welt geht er in Minuten, und teilen lässt er sich bis auf ein Hundertmillionstel. Bezahlt wird das damit, dass der Zugang an einem Schlüssel hängt. Wer den Schlüssel verliert, verliert die Coins, und niemand gibt sie zurück.
Hinter Aktien steht im Unterschied zu beiden ein Unternehmen, das Geld verdient und einen Teil davon ausschüttet. Der Ertrag von Gold und Bitcoin hängt allein daran, dass jemand später teurer kauft.
Was den Goldpreis stützt
Die größten Käufer der vergangenen Jahre sind nicht die Privatanleger, sondern die Zentralbanken. Sie halten rund 38.600 Tonnen, das sind 17 Prozent allen je geförderten Goldes, und kaufen im vierten Jahr in Folge um die tausend Tonnen pro Jahr. Im Jahrzehnt davor waren es etwa fünfhundert.
Dabei verschiebt sich die Zusammensetzung der Nachfrage. Schmuck war lange der größte Posten und machte vor wenigen Jahren noch etwa die Hälfte aus. 2025 waren es 31 Prozent, im zweiten Quartal 2026 nur noch 22. Schuld daran ist nicht nachlassendes Interesse an Gold, sondern der Preis. Die verkaufte Schmuckmenge sinkt, weil Schmuck teuer geworden ist, und den frei werdenden Platz nimmt die Investmentnachfrage ein, also Barren, Münzen und Fonds.
Wer den Bitcoin heute hält
Größter Unternehmenshalter ist Strategy, früher MicroStrategy, umbenannt im August 2025. Mitte August 2026 lagen dort 840.447 Bitcoin zum durchschnittlichen Einstandskurs von 75.385 Dollar. Beim heutigen Kurs steht die gesamte Position ungefähr bei null, und das Unternehmen hat in diesem Jahr erstmals auch Bitcoin verkauft.
Die übrigen Namen, die durch ältere Artikel geistern, sind heute Nebensache. Tesla hält 11.509 Bitcoin und hat sie seit dem großen Verkauf 2022 nicht angerührt. Block hat 9.117.
Die amerikanischen Börsenfonds auf Bitcoin, im Januar 2024 zugelassen, halten zusammen über 1,24 Millionen Bitcoin, knapp 6 Prozent des gesamten künftigen Bestands. Der größte davon, der iShares Bitcoin Trust, verwaltet über 54 Milliarden Dollar. Damit ist Bitcoin in Depots gelandet, in die er über den direkten Kauf nie gekommen wäre.
Weniger geworden sind dagegen die Staaten. El Salvador war zwischen 2021 und 2025 das einzige Land, in dem Bitcoin gesetzliches Zahlungsmittel war. Seit dem 1. Mai 2025 ist er das nicht mehr. Das dortige Parlament strich die Pflicht der Händler, Bitcoin anzunehmen, und den staatlich garantierten Umtausch in Dollar. Es war eine Bedingung des Kreditprogramms des Internationalen Währungsfonds.
Wo man in Deutschland kauft
Bei Bitcoin hat sich vor allem geändert, wer ihn verkaufen darf. Die europäische Verordnung MiCA gilt seit Ende 2024, und die Übergangsfrist für bestehende Anbieter hätte bis zum 1. Juli 2026 laufen dürfen. Deutschland hat sie in Paragraf 50 des Kryptomärkteaufsichtsgesetzes verkürzt, sie endete mit Ablauf des 31. Dezember 2025. Kryptowerte-Dienstleistungen darf hierzulande seit dem 1. Januar 2026 nur noch erbringen, wer eine Erlaubnis der BaFin hat oder eine Zulassung aus einem anderen EU-Staat mitbringt.
Welche Anbieter dazugehören, ist nachlesbar. Die BaFin veröffentlicht jede Zulassung im Bundesanzeiger und in ihrer Unternehmensdatenbank, dazu kommt das MiCA-Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA. Ein Blick dorthin lohnt sich, bevor Sie irgendwohin Geld überweisen.
Wer keine Erlaubnis bekommen hat, darf in der Europäischen Union keine Kryptodienste mehr anbieten. Das trifft auch Binance. Die Börse hatte die Zulassung bei der griechischen Aufsicht beantragt, zog den Antrag im Juni 2026 zurück und stellte ihre Dienste für Kunden in der EU zum 1. Juli 2026 ein.
Eine Erlaubnis ist trotzdem keine Versicherung. MiCA reguliert die Firmen, die den Dienst anbieten, nicht den Bitcoin selbst. Der hat keinen Emittenten.
Bei Gold ist die Auswahl älter und einfacher. Börsengehandelte Fonds halten physisches Gold im Tresor und verlangen dafür eine Gebühr pro Jahr, bei den zwei bekanntesten sind das 0,40 Prozent bei den SPDR Gold Shares und 0,25 beim iShares Gold Trust. Der Schwesterfonds GLDM desselben Anbieters kostet 0,10. In Deutschland führt der Weg über die Börse meist über ETCs, Xetra-Gold etwa verbrieft je Anteil ein Gramm physisch hinterlegtes Gold samt Anspruch auf Auslieferung. Der zweite Weg sind Barren und Münzen vom Händler mit Zertifikat. Dazu kommen der Aufschlag auf den Spotpreis und die Kosten für die Lagerung.
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Der Goldpreis und der Bitcoin-Kurs werden bei uns laufend aktualisiert.
Was die Bundesbank dazu sagt
Seit in den Vereinigten Staaten über eine staatliche Bitcoin-Reserve gesprochen wird, kommt die Frage auch in Europa auf, ob Notenbanken einen Teil ihrer Reserven in Kryptowerte legen sollten. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat darauf früh geantwortet. Im Interview mit dem PLATOW Brief vom 17. Januar 2025 sagte er: „Eine Währungsreserve muss sicher, liquide und transparent sein. All das trifft auf den Bitcoin nicht zu.“ Krypto-Werte wie Bitcoin nannte er im selben Gespräch „digitale Tulpen“, Sorge bereite ihm der Eindruck, dass man einem solchen Vermögenswert damit eine Art staatliches Gütesiegel gebe.
Ein eigenes Testportfolio mit digitalen Vermögenswerten hat die Bundesbank bis heute nicht angekündigt. In ihren Tresoren liegen dafür rund 3.350 Tonnen Gold, nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Bestand der Welt.