Deutsche Dividendenaktien: Renditen und Steuer

Martin Krpenský Redaktionell geprüft
Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit
Tabelle der Dividendenrenditen im DAX, hoechster Wert 7,6 Prozent
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Deutsche Aktien gelten als grosszuegige Zahler. Die Daten bestaetigen das nur zum Teil. Der MSCI Germany kam am 31. Juli 2026 auf eine Dividendenrendite von 2,57 Prozent. Der MSCI Europe lag am selben Tag bei 2,80 Prozent. Deutschland liegt damit knapp unter dem europaeischen Durchschnitt.

Der wirkliche Unterschied zeigt sich erst gegenueber den USA. Der MSCI USA wies zum gleichen Stichtag 1,13 Prozent aus. Die deutsche Dividende ist rund doppelt so hoch wie die amerikanische, nicht wie die europaeische.

Gelegentlich taucht eine Zahl um sechs Prozent auf. Sie stammt aus Uebersichten einzelner Titel, nicht aus dem Indexdurchschnitt. Die grosszuegigsten Werte im DAX sind in der Saison 2026 tatsaechlich an sechs Prozent herangekommen. Der Durchschnitt des Index bewegt sich in den letzten Jahren aber zwischen 2,6 und 3,3 Prozent. Die DZ Bank rechnete im Februar 2026 mit einer erwarteten DAX-Rendite von 3,3 Prozent und bezeichnete das selbst als Bereich des langfristigen Mittels.

Eine offizielle Dividendenrendite des DAX veroeffentlicht der Indexanbieter ohnehin nicht. Die Hauptversion des Index ist ein Performanceindex, in dem die Dividenden bereits im Kurs stecken. Jede Zahl kommt deshalb von einem Datenanbieter und gilt zu einem bestimmten Stichtag.

Eine Zahlung im Jahr, nicht vier

Ein amerikanisches Unternehmen beschliesst die Dividende selbst und meist viermal im Jahr. In Deutschland entscheidet darueber die Hauptversammlung. Vor ihrem Beschluss entsteht der Anspruch ueberhaupt nicht.

Die ordentliche Hauptversammlung muss nach dem Aktiengesetz in den ersten acht Monaten des Geschaeftsjahres stattfinden. Der Zahltag haengt fest daran. Der Anspruch wird am dritten Geschaeftstag nach dem Beschluss faellig. Diese Regel gilt seit Anfang 2017, davor wurde schon am naechsten Geschaeftstag gezahlt.

Der Ex-Tag, also der erste Handelstag ohne Anspruch auf die Dividende, folgt einen Tag nach der Hauptversammlung. Bei Allianz sah das so aus: Hauptversammlung am 7. Mai 2026, Ex-Tag am 8. Mai, Zahlung am 12. Mai. Die Dividende betrug 17,10 Euro je Aktie.

Ein verbreiteter Irrtum besagt, das deutsche Recht verbiete die Quartalszahlung. Das stimmt nicht. Das Gesetz laesst einen Abschlag auf den Gewinn zu, nur sind die Bedingungen eng. Die Satzung muss es erlauben, der Aufsichtsrat muss zustimmen und ein vorlaeufiger Abschluss muss einen Gewinn ausweisen. Der jaehrliche Rhythmus ist deshalb eher Konvention als Verbot.

Fuer den Kalender bedeutet das eine Sache. Der Schwerpunkt der Zahlungen liegt im Mai. Nach Angaben der DZ Bank wird in diesem Monat rund die Haelfte der Dividenden aus DAX und MDAX ausgeschuettet. Ausnahmen gibt es trotzdem. Siemens hat ein Geschaeftsjahr, das im September endet, und zahlte 2026 schon im Februar. Die Deutsche Telekom zahlte Anfang April.

Deutsche Dividendenaktien nach Rendite

Die Uebersicht zeigt fuenfzehn deutsche Unternehmen mit der hoechsten Dividendenrendite. Die Reihenfolge entspricht dem Stand vom 6. August 2026, als die Tabelle zusammengestellt wurde. Kurse und Renditen werden live geladen, sie aendern sich also mit jeder Kursbewegung und die Reihenfolge kann davon abweichen.

UnternehmenKursDividendeRenditeMarktkap.
Mercedes-Benz13,43 USD1,03 USD7,67 %51,43 mld. USD
BMW23,04 USD1,70 USD7,38 %41,28 mld. USD
Volkswagen8,80 USD0,59 USD6,70 %44,11 mld. USD
Vonovia12,00 USD0,73 USD6,08 %20,36 mld. USD
Porsche3,24 USD0,17 USD5,25 %10,13 mld. USD
Hannover Rück48,04 USD2,45 USD5,10 %34,76 mld. USD
Munich Re11,84 USD0,56 USD4,73 %74,48 mld. USD
BASF14,76 USD0,66 USD4,47 %50,83 mld. USD
Continental7,91 USD0,32 USD4,05 %15,82 mld. USD
Daimler Truck26,57 USD1,12 USD4,22 %40,68 mld. USD
Allianz50,27 USD2,00 USD3,98 %190,67 mld. USD
Deutsche Telekom32,99 USD1,17 USD3,55 %157,78 mld. USD
Deutsche Post31,79 USD1,12 USD3,52 %71,16 mld. USD
E.ON21,94 USD0,67 USD3,05 %57,33 mld. USD
Deutsche Bank38,25 USD1,16 USD3,03 %71,88 mld. USD

Kurse sind Richtwerte, mit Verzögerung.

In der fuenften Zeile steht die Porsche Automobil Holding. Das ist die Holding mit der Beteiligung an Volkswagen, nicht der Autobauer Porsche AG.

Wie die Tabelle zu lesen ist

Die Dividendenrendite ist das Verhaeltnis der gezahlten Dividende zum aktuellen Kurs der Aktie. Das ist ein Blick zurueck. Darueber, wie viel das Unternehmen beim naechsten Mal zahlt, sagt sie nichts.

Die Rendite steigt auf zwei Wegen. Entweder erhoeht das Unternehmen die Dividende, oder der Kurs faellt. Beide Wege fuehren zur selben Zahl in der Tabelle, bedeuten aber das genaue Gegenteil.

Die Kuerzel in der Tabelle sind amerikanisch und die Kurse stehen in Dollar. Warum das so ist, erklaert der Abschnitt unter der Tabelle.

Woher die Zahlen in der Tabelle stammen

Deutsche Aktien werden auch in den USA gehandelt, und zwar als Zertifikate, die eine dortige Bank auf die urspruengliche Aktie ausgibt. Die Daten stammen genau von diesem Markt. Deshalb stehen die Kurse in Dollar und entsprechen nicht dem Kurs an der XETRA.

Auf ein Zertifikat entfaellt zudem meist nicht eine ganze Aktie, sondern nur ein Teil davon. Bei BMW ein Drittel, bei Mercedes ein Viertel. Der Kurs ist also niedriger als in Frankfurt, die Dividendenrendite in Prozent bleibt aber gleich.

Daten direkt von der deutschen Boerse erfordern eine eigene Lizenz, die hier nicht vorliegt. Die Zahlen in der Tabelle sind deshalb als Richtwerte zu verstehen. Vor einer Entscheidung sollten sie in einer weiteren Quelle geprueft werden, am besten direkt beim eigenen Broker oder auf den Investorenseiten des Unternehmens.

Was die Steuer von der Dividende nimmt

Einbehalten werden 26,375 Prozent der Bruttodividende. Sie setzen sich aus 25 Prozent Kapitalertragsteuer und dem Solidaritaetszuschlag von 5,5 Prozent auf diese Steuer zusammen.

Anlegern im Ausland raeumen die Doppelbesteuerungsabkommen als Kleinaktionaeren dagegen einen Hoechstsatz von 15 Prozent ein. Die Differenz betraegt 11,375 Prozentpunkte.

Und hier liegt der Haken. Eine Ermaessigung direkt an der Quelle gibt es fuer natuerliche Personen nicht. Deutschland kennt kein Gegenstueck zur amerikanischen W-8BEN, die der Broker erledigt. Einbehalten wird der volle Satz, die Differenz muss der Anleger selbst zurueckfordern.

Der Antrag laeuft elektronisch beim Bundesamt BZSt. Die Frist betraegt vier Jahre nach Ablauf des Jahres der Auszahlung. Das Amt weist auf seiner Seite selbst darauf hin, dass die Bearbeitung ueber zwanzig Monate dauern kann.

Die praktische Huerde liegt woanders. Zum Antrag gehoert eine Steuerbescheinigung der auszahlenden Stelle, und das muss eine deutsche Institution sein. Eine Bescheinigung des auslaendischen Brokers oder Verwahrers reicht nach Auslegung des Amtes in der Regel nicht. Die zweite Anlage ist eine Ansaessigkeitsbescheinigung vom Finanzamt des Wohnsitzlandes.

Bei den amerikanischen Zertifikaten laeuft die Erstattung ueber die ausgebende Bank und ist vor allem auf Anleger in den USA zugeschnitten. Ein Weg fuer die uebrigen besteht, die Bank berechnet dafuer aber eine Gebuehr je Zertifikat und Ansprueche unter fuenfzig Dollar bearbeitet sie gar nicht. Bei einem kleineren Depot lohnt sich das nicht.

Was fuer Anleger im Inland gilt

Wer in Deutschland steuerpflichtig ist, muss nichts zurueckfordern. Die Steuer wird beim Kapitalertrag direkt abgerechnet. Der Abkommenssatz von 15 Prozent gilt fuer Anleger im Ausland und betrifft inlaendische Depots nicht.

Wie hoch die Belastung am Ende ausfaellt, haengt von der persoenlichen Situation ab. Das klaeren die eigenen Unterlagen oder ein Steuerberater.

Eine hohe Rendite ist kein Zeichen von Grosszuegigkeit

An der Spitze der Tabelle stehen die Autohersteller. Dabei sind es genau sie, die die Dividende senken. In der Saison 2026 haben vier Unternehmen aus dem DAX gekuerzt, drei davon bauen Autos. Volkswagen nahm 17 Prozent weg, Mercedes 19 Prozent und Porsche 56 Prozent.

Die hohe Rendite ist bei ihnen also nicht dadurch entstanden, dass sie mehr Geld verteilen. Sie verteilen weniger als frueher.

Die deutsche Dividende haengt am Gewinn des jeweiligen Jahres. Eine Zusage auf dauerhaftes Wachstum steht nicht dahinter. Nach Angaben der DZ Bank wurden die deutschen Dividenden in den vergangenen fuenfzig Jahren im schlechtesten Fall um ein Viertel gekuerzt, den Einbruch in der Coronazeit ausgenommen. Die Gewinne fielen im selben Zeitraum um fast die Haelfte.

Die Dividende laesst sich fast auf null streichen

Bayer ist das Lehrbuchbeispiel. Im Februar 2024 aenderte das Unternehmen seine Dividendenpolitik und schlug eine Senkung von 2,40 Euro auf 11 Cent je Aktie vor. Die Hauptversammlung stimmte zu, und elf Cent blieben es auch fuer die Jahre 2024 und 2025. Das ist ein Rueckgang um rund 95 Prozent.

Als Grund nannte das Unternehmen die Verschuldung, hohe Zinsen und einen angespannten freien Cashflow. Nach den hier verwendeten Daten liegt die Dividendenrendite von Bayer zum 6. August 2026 bei 0,2 Prozent.

Fresenius zeigt eine andere Variante. Fuer das Jahr 2023 zahlte der Konzern gar nichts. Grund war eine gesetzliche Beschraenkung, die an die Inanspruchnahme der staatlichen Energiehilfen fuer Krankenhaeuser geknuepft war.

Dividendenaristokraten gibt es in Deutschland nicht

In den USA heissen Unternehmen mit 25 Jahren Dividendenwachstum in Folge Dividendenaristokraten. In Deutschland gibt es kein einziges.

Die Dividendenstudie der DSW und der Hochschule FOM sagt das direkt. Die laengste Serie hat der familiengefuehrte Schmierstoffhersteller Fuchs mit 24 Erhoehungen hintereinander. Danach folgen Cewe mit siebzehn und SAP mit sechzehn.

Unternehmen mit mindestens zehn Erhoehungen in Folge gibt es elf. Zwei davon werden nur im Freiverkehr gehandelt.

Ausserhalb des Hauptindex ist die Lage schwaecher. In MDAX und SDAX erhoehen nur 40 Prozent der Unternehmen die Dividende. Jedes fuenfte senkt oder streicht sie. Unterhalb der Indizes zahlt mehr als die Haelfte gar nichts.

Wer eine ununterbrochene Serie von Erhoehungen sucht, findet sie in Deutschland nicht. Die deutsche Dividende folgt dem Gewinn des jeweiligen Jahres. Die durchschnittliche Rendite ist gegenueber der amerikanischen etwa doppelt so hoch, in den vergangenen fuenf Jahren haben aber vier Unternehmen aus dem DAX die Dividende gekuerzt.

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