Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) gehören zu den beliebtesten Anlageinstrumenten für langfristig orientierte Anleger. Ihre Popularität kommt vor allem von den niedrigeren Kosten im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. Doch auch scheinbar geringe Kosten wirken sich über lange Zeiträume spürbar auf die Rendite aus.
Das Problem: Die Zahl, die bei einem ETF immer zuerst genannt wird — die Gesamtkostenquote TER — ist nur ein Posten von mehreren, und ausgerechnet derjenige, der bei den meisten Anlegern am wenigsten zu Buche schlägt. Sehen wir uns an, was tatsächlich bezahlt wird.
Was ist die Total Expense Ratio (TER)?
Die Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote) gibt die jährlichen Kosten für Verwaltung und Betrieb des Fonds an. Sie wird laufend dem Fondsvermögen entnommen, Sie zahlen sie also nie per Rechnung — sie zeigt sich darin, dass der Fonds hinter seinem Index zurückbleibt. Angegeben wird sie als Prozentsatz des verwalteten Vermögens.
Die TER ist aus drei Gründen nützlich:
- Transparenz — sie gibt einen klaren Überblick über die Grundkosten des Fonds
- Vergleichbarkeit — sie erlaubt den einfachen Kostenvergleich verschiedener ETFs
- Planbarkeit — die Kosten sind stabil und im Voraus gut abschätzbar
Den größten Teil der TER (etwa die Hälfte bis vier Fünftel) macht die Verwaltungsgebühr für Portfoliomanagement, Indexnachbildung und Rebalancing aus. Der Rest sind Verwaltungskosten (Buchhaltung, Prüfung, Rechtsberatung), Kosten für Vertrieb und die vorgeschriebene Dokumentation sowie Depotbankgebühren für die Verwahrung der Wertpapiere, die Abwicklung der Geschäfte und das Monitoring.
Was die TER dagegen nicht enthält
Genau hier wird die Gesamtkostenquote am häufigsten überschätzt. Außen vor bleiben:
- Transaktionskosten innerhalb des Fonds. Wenn der Fonds die Indexzusammensetzung nachzieht, handelt er selbst und zahlt dabei Spreads und Gebühren. Bei Indizes mit hoher Umschlagshäufigkeit ist das keine Nebensache.
- Swap-Kosten bei synthetischen ETFs, die den Index über einen Kontrahenten abbilden, statt die Aktien zu kaufen.
- Quellensteuer auf Dividenden, die der Fonds im Herkunftsland der Aktien abführt, bevor der Ertrag überhaupt ankommt.
Ein Posten wirkt dagegen in die andere Richtung: die Wertpapierleihe. Der Fonds verleiht einen Teil des Portfolios gegen Gebühr, die Erträge fließen ins Fondsvermögen zurück und senken damit die reale Kostenbelastung.
Die Summe dieser Einflüsse ist die Tracking-Differenz — der Abstand zwischen der Rendite des Fonds und der Rendite des Index im jeweiligen Zeitraum. Diese Zahl sagt, was das Halten des Fonds wirklich gekostet hat, und bei einem gut geführten ETF fällt sie niedriger aus als die TER. Die Anbieter veröffentlichen sie in ihren Factsheets, nachvollziehen lässt sie sich auch über die Jahresberichte des Fonds.
Typische TER-Spannen nach Fondstyp
| ETF-Typ | Übliche TER-Spanne |
|---|---|
| Breite Aktienindizes | 0,03–0,20 % |
| Staatsanleihen | 0,05–0,20 % |
| Unternehmensanleihen | 0,15–0,40 % |
| Branchen-ETFs | 0,20–0,50 % |
| Faktor-ETFs | 0,20–0,50 % |
| Rohstoff-ETFs | 0,25–0,60 % |
| Schwellenländer | 0,30–0,70 % |
| Hochzinsanleihen | 0,40–0,70 % |
| Themen-ETFs | 0,40–0,75 % |
Am günstigsten sind ETFs auf große Marktindizes, wo die Anbieter um Volumen konkurrieren. Je enger der Fokus, desto höher die Kosten — ein kleineres Fondsvermögen verteilt sich auf weniger Anleger, und der Zugang zu Randmärkten ist teurer.
Was ist die Total Cost of Ownership (TCO)?
Die Total Cost of Ownership (Gesamtkosten des Besitzes) betrachtet, was Kauf, Halten und Verkauf zusammen kosten. Neben der TER gehören dazu:
Der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs des ETF. Bei liquiden Fonds sind das Hundertstel Prozentpunkte, bei spezialisierten Produkten und in Phasen hoher Volatilität ohne Weiteres Zehntel oder mehr.
Die Ordergebühr des Brokers für Kauf und Verkauf — entweder ein fester Betrag pro Order oder ein Prozentsatz vom Volumen. Viele Broker stellen Sparpläne günstiger als Einzelorders.
Die Währungsumrechnung, wenn der Fonds in einer anderen Währung notiert, als Sie auf dem Konto haben. Neben der ausgewiesenen Gebühr steckt darin meist ein schlechterer Kurs, als Sie ihn am Markt sehen. Optimieren lässt sich das über ein Mehrwährungskonto oder über die Wahl eines ETF in der eigenen Währung.
Was das in Zahlen bedeutet
Ein Modellbeispiel: Anlage in einen ETF auf den S&P 500 bei einem Broker mit einer festen Ordergebühr von 10 EUR, Spread 0,1 %, Währungsumrechnung 0,3 % und TER 0,2 %. Die Kosten muss man in zwei Gruppen aufteilen, weil sie sich vollkommen unterschiedlich verhalten.
| Posten | 10.000 EUR | 1.000 EUR | Wann fällig |
|---|---|---|---|
| Spread (Kauf + Verkauf) | 20 EUR | 2 EUR | einmalig |
| Ordergebühr (2 Orders) | 20 EUR | 20 EUR | einmalig |
| Währungsumrechnung (2×) | 60 EUR | 6 EUR | einmalig |
| Einmalkosten gesamt | 100 EUR | 28 EUR | bei Ein- und Ausstieg |
| TER | 20 EUR | 2 EUR | jedes Jahr |
Für ein Jahr macht das also 120 EUR bei der Anlage über zehntausend Euro (1,2 %) und 30 EUR bei tausend Euro (3,0 %). Diese Zahl gilt aber nur für eine Haltedauer von einem Jahr — und genau hier entsteht das häufigste Missverständnis, denn die einmaligen Gebühren verteilen sich mit längerer Haltedauer.
Durchschnittliche jährliche Kosten in Prozent, je nachdem wie lange Sie den Fonds halten. Beide Kurven nähern sich der TER, weil Kauf und Verkauf nur einmal bezahlt werden.
Nach fünf Jahren liegen die durchschnittlichen jährlichen Kosten bei der Anlage über zehntausend Euro bei 0,40 % und bei tausend Euro bei 0,76 %. Nach zehn Jahren sind es 0,30 % und 0,48 %. Der Abstand zwischen kleiner und großer Anlage verschwindet nicht, verliert aber an Dramatik — im ersten Jahr war er dreifach, nach zehn Jahren nur noch halb so groß.
Der praktische Schluss ergibt sich von selbst: bei kurzer Haltedauer entscheiden die Einstiegskosten, bei langer die TER. Wer tausend Euro anlegen und nach einem Jahr wieder verkaufen will, sollte sich vor allem um Broker und Währungsumrechnung kümmern. Wer ein Jahrzehnt hält, schaut vor allem auf die Kostenquote des Fonds.
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Bei kleineren Beträgen helfen drei Dinge: ein Broker ohne Kaufgebühr für ETFs, ein Sparplan mit vergünstigten Konditionen und der Kauf eines ETF in der Währung, die Sie ohnehin auf dem Konto haben. Die Umrechnung ist bei kleinen Beträgen oft der größere Posten als die Ordergebühr selbst.
Wo Sie die Kosten finden
Die Grundzahlen stehen im Basisinformationsblatt (KID), dem Key Information Document, das seit dem 1. Januar 2023 die frühere KIID ersetzt und für alle Fonds Pflicht ist, die Privatanlegern in der EU angeboten werden. Darin finden Sie nicht nur die TER, sondern auch eine Aufstellung der Einstiegs- und Ausstiegskosten sowie der Transaktionskosten innerhalb des Fonds.
Ergänzend lohnt das Factsheet des Fonds, in dem neben der TER meist auch die Wertentwicklung gegenüber dem Index über mehrere Jahre steht, also die Grundlage für die Tracking-Differenz, und die Preisliste des Brokers für Gebühren und Umrechnungskurse. Einen schnellen Kostenvergleich über viele Fonds hinweg bieten auch spezialisierte Vergleichsportale, etwa justetf.com.
Fazit
Bei der Auswahl eines ETF reicht der Vergleich der TER nicht aus. Bei einer Haltedauer bis zu einem Jahr wiegen die einmaligen Kosten am schwersten — Spread, Ordergebühr und Währungsumrechnung. Ab einem Horizont von fünf Jahren verteilen sich diese Posten, und es entscheidet die Kostenbelastung des Fonds, die sich am genauesten in der Tracking-Differenz zeigt, nicht in der TER allein.
Für regelmäßige Anlagen kleinerer Beträge suchen Sie einen Broker ohne Kaufgebühren für ETFs, bei einmaligen größeren Anlagen achten Sie auf einen günstigen Fonds mit guter Indexnachbildung.
Welche Kosten fallen bei einem ETF alle an?+
Neben der Verwaltungsgebühr (TER) von 0,1–0,7 % pro Jahr zahlen Sie den Spread bei Kauf und Verkauf, die Ordergebühr des Brokers und gegebenenfalls die Währungsumrechnung. Im ersten Jahr betragen die Gesamtkosten deshalb ein Vielfaches der reinen TER, mit längerer Haltedauer verschwindet dieser Unterschied.
Lohnt sich ein ETF auch bei einer kleinen Anlage?+
Bei kleinen Beträgen schaden die festen Ordergebühren am meisten. Wählen Sie einen Broker ohne Kaufgebühr, einen ETF in der Währung, die Sie schon auf dem Konto haben, und rechnen Sie mit einer längeren Haltedauer — bei einer Anlage über tausend Euro sinken die durchschnittlichen jährlichen Kosten von 3 % im ersten Jahr auf knapp ein halbes Prozent nach zehn Jahren.
Wo finde ich die tatsächlichen Kosten eines ETF?+
Die TER und die Kostenübersicht stehen im Basisinformationsblatt (KID), den Spread sehen Sie direkt in der Handelsplattform und die Gebühren in der Preisliste des Brokers. Wie gut der Fonds den Index tatsächlich nachbildet, zeigt seine Wertentwicklung gegenüber dem Index im Factsheet.
Die Angaben zum KID folgen der PRIIPs-Verordnung. Die Modellrechnung beruht auf den im Artikel genannten Parametern, nicht auf dem Angebot eines bestimmten Brokers.