ETF ohne USA: Welt-Fonds im Überblick

Martin Krpenský Redaktionell geprüft
Veröffentlicht Aktualisiert 8 Min. Lesezeit
Anleger vergleicht am Bildschirm die Länderaufteilung eines Welt-ETF ohne US-Aktien
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Amerikanische Unternehmen machen 72 Prozent des MSCI World aus. Wer einen normalen Welt-ETF kauft, kauft vor allem amerikanische Aktien.

Es gibt aber Fonds, die die USA ganz weglassen. Genutzt werden sie von Anlegern, die US-Aktien bereits an anderer Stelle im Depot haben und sie kein zweites Mal besitzen wollen. Die Übersicht beginnt mit einer Tabelle der Fonds. Danach folgt, was wirklich in ihnen steckt und worin sie sich unterscheiden.

Welche Fonds infrage kommen

Alle folgenden Fonds sind UCITS-Fonds, also europäische Fonds. Das ist wichtig, denn die amerikanischen Gegenstücke kann ein Anleger aus Deutschland nicht kaufen.

FondsISINTERGrößeErtragsverwendung
Xtrackers MSCI World ex USA 1CIE0006WW1TQ40,15 %6,5 Mrd. EURthesaurierend
iShares MSCI World ex-USA (Acc)IE000R4ZNTN30,15 %3,1 Mrd. EURthesaurierend
Amundi MSCI World Ex USA AccIE00085PWS280,15 %0,7 Mrd. EURthesaurierend
UBS MSCI World ex USA accLU28075129470,09 %0,4 Mrd. EURthesaurierend
Xtrackers MSCI World ex USA 1DIE000Z0FC0G50,15 %0,2 Mrd. EURausschüttend
Amundi MSCI World Ex USA DistIE0009BI8Z040,15 %0,1 Mrd. EURausschüttend
Xtrackers FTSE All-World ex US 1CIE000YKHGYN20,15 %0,05 Mrd. EURthesaurierend

Der abgebildete Index steckt schon im Namen. Die ersten sechs Fonds laufen auf dem MSCI World ex USA, der letzte auf dem FTSE All-World ex US. Nur dieser eine enthält auch Schwellenländer.

Die thesaurierende Anteilsklasse legt die Dividenden selbst wieder an, die ausschüttende überweist sie aufs Konto. Ansonsten steckt dasselbe Portfolio dahinter.

Noch etwas günstiger geht es auch. Der BNP Paribas Easy MSCI World ex USA hat eine TER von 0,07 Prozent, verwaltet aber nur rund zehn Millionen Euro. Bei so kleinen Fonds fällt der Abstand zwischen An- und Verkaufskurs oft breiter aus, und der frisst die niedrigere Gebühr schnell wieder auf. Daneben gibt es eine Handvoll Fonds mit eigener Titelauswahl, von Dividendenvarianten über Klimafilter bis zu aktiv gemanagten Produkten, mit Gebühren zwischen 0,2 und 0,38 Prozent.

„Ohne USA” heißt nicht bei jedem Index dasselbe

Das ist die größte Falle in dieser Kategorie. Die Namen sehen austauschbar aus, der Inhalt unterscheidet sich um zweistellige Prozentanteile des Portfolios.

IndexLänderUnternehmenKanadaSchwellenländer
MSCI World ex USA22755janein
MSCI ACWI ex USA461.933jaja
MSCI EAFE21672neinnein
FTSE All-World ex US473.763jaja

MSCI EAFE steht für Europa, Australasien und Fernost. Der Index lässt die USA und Kanada weg. Er ist damit nicht dasselbe wie die Welt ohne Amerika. Einen Fonds darauf kann man in Europa ohnehin nicht kaufen, denn alle bestehenden Tracker haben ihren Sitz außerhalb der Europäischen Union.

Der praktische Unterschied ist einfach. Fonds auf den MSCI World ex USA halten nur Industrieländer. Wer in einem einzigen Fonds auch China, Taiwan, Korea und Indien haben will, muss zum FTSE All-World ex US greifen.

Was in so einem Fonds wirklich steckt

Von einer gleichmäßigen Verteilung über die Welt kann keine Rede sein. Das mit Abstand größte Gewicht hat Japan. Das Land allein macht ein Fünftel des MSCI World ex USA aus.

LandAnteil
Japan20,47 %
Großbritannien12,92 %
Kanada12,21 %
Frankreich8,72 %
Schweiz8,27 %
übrige Länder zusammen37,41 %

Noch aufschlussreicher ist der Blick auf die Branchen. Den amerikanischen Markt treiben Technologiekonzerne. Hier ist deren Anteil klein.

Banken und Versicherer machen 28,36 Prozent des Index aus, die Industrie 17,81 Prozent und Informationstechnologie nur 9,8 Prozent. Wer die Welt ohne Amerika kauft, kauft vor allem Finanz- und Industriewerte.

Zu sehen ist das auch an den größten Einzelpositionen. Das schwerste Unternehmen ist der niederländische Hersteller von Maschinen für die Chipproduktion ASML mit 2,56 Prozent, dahinter folgen die britische Bank HSBC mit 1,46 Prozent und die Schweizer Roche mit 1,23 Prozent.

Zum Vergleich: Das größte Unternehmen im amerikanischen Index, Nvidia, wiegt dort allein 7,19 Prozent. Das ist mehr als die drei schwersten Titel des Index ohne USA zusammen. Das Risiko eines einzelnen dominanten Konzerns fällt hier praktisch weg.

Die amerikanischen Fonds können Sie nicht kaufen

In den Vereinigten Staaten gibt es Fonds mit derselben Ausrichtung und deutlich niedrigeren Gebühren. Der Vanguard FTSE Developed Markets hat eine TER von 0,03 Prozent, der Vanguard Total International Stock 0,05 Prozent und der iShares Core MSCI Total International Stock 0,07 Prozent. Bei der Größe spielen sie in einer anderen Liga. Der größte von ihnen verwaltet über 230 Milliarden Dollar.

Ein normaler Anleger bekommt sie bei einem regulierten Broker trotzdem nicht. An einem Handelsverbot liegt das nicht.

Der Grund ist die europäische PRIIPs-Verordnung, die seit dem 1. Januar 2018 gilt. Danach muss ein Wertpapierdienstleister einem Privatkunden vor dem Kauf ein Basisinformationsblatt aushändigen, auf Englisch KID genannt, und zwar in der Sprache des jeweiligen Landes. Erstellen muss es die Fondsgesellschaft. Amerikanische Anbieter geben es nicht heraus, weil das US-Recht sie dazu nicht verpflichtet und das europäische Format Angaben zur künftigen Wertentwicklung verlangt, die sie unter der Aufsicht der dortigen Börsenaufsicht nicht liefern.

Das Ergebnis: Der Fonds existiert und wird gehandelt, nur verkaufen darf ihn ein europäischer Broker einem Privatkunden nicht. Bis Ende 2017 war das kein Problem.

Die Gebühr ist nicht die einzige Zahl

Gebühren zwischen 0,07 und 0,15 Prozent liegen in dieser Kategorie eng beieinander, der Unterschied ist in der Praxis klein. Zwei andere Punkte wiegen meist schwerer.

Die Fondsgröße. Ein Fonds mit ein paar Millionen Euro wird selten gehandelt, und der Abstand zwischen Geld- und Briefkurs fällt breiter aus. Sie zahlen ihn bei jedem Kauf und bei jedem Verkauf.

Die Währung. Die Fonds werden in Euro oder in Dollar geführt, halten aber japanische, britische, kanadische und Schweizer Aktien. Die Kurse dieser Währungen beeinflussen das Ergebnis genauso wie die Bewegung der Aktien selbst. Eine Währungsabsicherung bieten diese Fonds nicht an.

Günstiger als der US-Markt, aber der Abstand ist geschrumpft

Zum 31. Juli 2026 wurde der MSCI USA mit dem 27,11-Fachen der Gewinne gehandelt, bei einer Dividendenrendite von 1,13 Prozent. Der MSCI World ex USA stand beim 19,08-Fachen der Gewinne, mit einer Rendite von 2,55 Prozent.

Der Bewertungsunterschied besteht also weiter, er ist aber viel kleiner, als man es aus den vergangenen Jahren gewohnt war. Die Märkte außerhalb Amerikas sind nicht mehr in dem Sinne günstig, in dem sie es vor zwei Jahren noch waren, weil ihre Bewertung deutlich gestiegen ist.

An der langfristigen Wertentwicklung sieht man, warum vom amerikanischen Vorsprung so viel die Rede war. In den vergangenen zehn Jahren brachte der MSCI World, der Amerika enthält, 12,73 Prozent pro Jahr in Dollar. Der MSCI World ex USA kam im selben Zeitraum auf 9,54 Prozent pro Jahr, beides nach Quellensteuer auf Dividenden.

Die jüngere Zeit sieht anders aus. Im Jahr 2025 legte der MSCI World ex USA in Dollar um 31,85 Prozent zu, in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 kamen weitere 11,44 Prozent dazu. Zu einem anderen Stichtag sehen diese Zahlen anders aus, und aus der vergangenen Wertentwicklung lässt sich die künftige nicht ableiten.

Wofür so ein Fonds taugt

Ein Fonds ohne USA ergibt als Ergänzung Sinn, nicht als ganzes Depot. Er lässt den größten Aktienmarkt der Welt weg und streut das Risiko für sich genommen daher nicht.

Der typische Grund für den Kauf ist praktischer Natur. Wer den amerikanischen Index ohnehin getrennt hält, etwa über einen Fonds auf den S&P 500, ergänzt damit den Rest der Welt und legt das Verhältnis der beiden Teile selbst fest. Die zweite Variante, ein einziger globaler Fonds, ist einfacher. Dort bestimmt aber der Markt, wie viel Amerika drinsteckt.

Für den Kauf brauchen Sie einen Broker, der diese Fonds im Angebot hat. Gehandelt werden sie in Deutschland vor allem über Xetra und gettex. Nicht jeder Broker führt alle. Bei den kleineren Fonds aus der Tabelle sind die Unterschiede am größten.

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