Der S&P 500 ist der meistbeachtete Gradmesser des US-Aktienmarkts, und Monat für Monat einen Fonds darauf zu kaufen gehört zu den häufigsten Anlageentscheidungen überhaupt. Kompliziert wird es erst in der Praxis – bei der Wahl des Fonds, bei dem, was der Broker nimmt, und bei der Währung, in der gekauft wird.
Was der S&P 500 ist
Der S&P 500 bildet 500 große US-Unternehmen ab. Es ist keine schlichte Rangliste der fünfhundert größten Firmen – ein Kandidat muss Bedingungen erfüllen, etwa eine Notierung an einer US-Börse, ausreichende Liquidität, einen hinreichend großen Streubesitz und Profitabilität. Die letzte Entscheidung trifft das Indexkomitee von S&P Dow Jones Indices. Weil einige Firmen mit zwei Aktiengattungen im Index vertreten sind, liegt die Zahl der Wertpapiere etwas über 500. Fonds mit physischer Replikation halten 504 Positionen.
Die Gewichte sind nicht gleich verteilt. Jedes Unternehmen steht im Index entsprechend seiner streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung, die größten Namen bewegen den Index also weit stärker als die am Ende der Liste. „Fünfhundert Unternehmen aus allen Branchen“ bedeutet daher kein gleichmäßig verteiltes Risiko – die Zahlen dazu stehen im Artikel über die Unternehmen mit dem größten Anteil am S&P 500.
Die Zusammensetzung ändert sich laufend. Firmen, die die Kriterien nicht mehr erfüllen, verlassen den Index, andere rücken nach. Der Anleger muss dabei nichts tun, den Tausch erledigt der Fonds.
Was der S&P 500 historisch gebracht hat
Von 1926 bis Mitte 2026 kam der S&P 500 auf rund 10,5 % pro Jahr, gerechnet als Wertentwicklung in Dollar mit wiederangelegten Dividenden. Nach Abzug der Inflation bleiben etwa 7,3 % pro Jahr. Ohne Dividenden, allein aus der Kursbewegung, sind es rund 6,5 % pro Jahr. Die drei Zahlen sortiert der Artikel über die tatsächliche durchschnittliche Jahresrendite des S&P 500.
Ein Durchschnitt sagt nichts über ein einzelnes Jahr. In den zehn Jahren bis Ende 2025 legte der Index mit wiederangelegten Dividenden 14,82 % pro Jahr zu, allein 2022 schloss er dagegen mit mehr als 18 % im Minus.
Für Privatanleger im Euroraum kommt eine zweite bewegliche Größe dazu. Die Indexrendite wird in Dollar ausgewiesen, im Euro-Depot steht am Ende das Ergebnis aus zwei Bewegungen – dem Index und dem Wechselkurs EUR/USD.
Warum US-ETFs in Europa nicht verkauft werden
Englischsprachiges Material zum S&P 500 nennt fast immer drei Kürzel: SPY (SPDR S&P 500 ETF Trust), VOO (Vanguard S&P 500 ETF) und IVV (iShares Core S&P 500 ETF). Alle drei haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten, und ein Privatanleger in Europa kann sie über einen europäischen Broker nicht kaufen.
Das Hindernis ist nicht, dass sie an europäischen Börsen fehlen. Es ist die PRIIPs-Verordnung, in Kraft seit dem 1. Januar 2018, die den Verkäufer verpflichtet, dem Privatanleger vor dem Geschäft ein Basisinformationsblatt auszuhändigen. US-Emittenten erstellen keines, deshalb sperren Broker in Europa den Kauf von vornherein. Interactive Brokers schreibt es in seine Bedingungen: Ohne verfügbares Basisinformationsblatt muss der Broker den Handel mit diesem Produkt abschalten. DEGIRO sagt dasselbe und ergänzt, dass vor 2018 gekaufte Positionen weiter gehalten und verkauft werden dürfen, aufstocken lassen sie sich nicht.
Zu den US-Fonds führt nur ein verlässlicher Weg – die Umstufung zum professionellen Kunden nach MiFID II beim eigenen Broker. Dafür müssen Sie Bedingungen an Vermögen und Erfahrung erfüllen, und es bedeutet, auf einen Teil des Schutzes zu verzichten, den Privatanleger genießen. Für 80 € im Monat lohnt sich das nicht.
Europäische ETFs auf den S&P 500
Das europäische Gegenstück erkennen Sie am Zusatz UCITS im Namen und an einer ISIN, die mit IE (Irland) oder LU (Luxemburg) beginnt. Alle Fonds in der Tabelle folgen demselben Index, sie unterscheiden sich also nicht in der Indexentwicklung, sondern in den Kosten, im Umgang mit den Dividenden und in der Art der Nachbildung.
| Fonds | ISIN | TER p. a. | Erträge | Replikation |
|---|---|---|---|---|
| SPDR S&P 500 UCITS ETF (Acc) – SPYL | IE000XZSV718 | 0,03 % | thesaurierend | physisch |
| SPDR S&P 500 UCITS ETF (Dist) – SPY5 | IE00B6YX5C33 | 0,03 % | schüttet quartalsweise aus | physisch |
| iShares Core S&P 500 UCITS ETF – CSPX, SXR8 | IE00B5BMR087 | 0,07 % | thesaurierend | physisch |
| Vanguard S&P 500 UCITS ETF (Acc) – VUAA | IE00BFMXXD54 | 0,07 % | thesaurierend | physisch |
| Vanguard S&P 500 UCITS ETF (Dist) – VUSA | IE00B3XXRP09 | 0,07 % | schüttet quartalsweise aus | physisch |
| Invesco S&P 500 UCITS ETF – SPXS | IE00B3YCGJ38 | 0,05 % + 0,07 % Swap | thesaurierend | synthetisch |
Die Angaben stammen aus den Basisinformationsblättern und Factsheets der Anbieter, Stand August 2026.
Invesco teilt seine Gebühr in zwei Teile. Das Factsheet weist eine laufende Gebühr von 0,05 % und eine gesonderte Swap-Gebühr von 0,07 % aus, mit dem Hinweis, dass sich die Gesamtkosten aus beiden zusammensetzen. Der Fonds kostet damit 0,12 % pro Jahr, nicht 0,05 %.
Suchen Sie den Fonds über die ISIN, nicht über das Kürzel. Derselbe Fonds trägt an jeder Börse ein anderes Kürzel und oft auch eine andere Handelswährung. Der iShares Core S&P 500 UCITS ETF läuft auf Xetra als SXR8 in Euro, in London als CSPX in Dollar und als CSP1 in Pfund, in Mailand als CSSPX in Euro. Es bleibt ein Fonds mit einer ISIN, nur eben mit zehn Notierungen an verschiedenen Börsen.
Physische oder synthetische Replikation
Ein physischer Fonds kauft die Aktien des Index tatsächlich. Ein synthetischer hält sie nicht, sondern vereinbart die Indexentwicklung mit einem Kontrahenten. Die Nachbildung fällt meist etwas genauer aus, weil der Swap die Indexrendite ohne jene Dividendenverluste liefert, die ein physischer Fonds nicht vermeiden kann. Dafür kommt das Risiko hinzu, dass der Kontrahent nicht liefert. Die meisten europäischen S&P-500-Fonds sind physisch, Invesco ist der einzige synthetische in der Tabelle oben.
Thesaurierend oder ausschüttend
Der Unterschied liegt darin, was der Fonds mit den Dividenden der enthaltenen Unternehmen macht.
Die thesaurierende Anteilsklasse legt sie im Fonds wieder an. Der Wert Ihres Bestands wächst, ausgezahlt wird nichts – es kommt also kein Geld an, das Sie von Hand wieder anlegen und noch einmal mit einer Order bezahlen müssten.
Die ausschüttende Anteilsklasse überweist die Dividenden als Bargeld auf Ihr Konto. Das passt zu Anlegern, die aus dem Depot regelmäßige Erträge ziehen wollen.
Die Paare in der Tabelle oben sind derselbe Fonds in zwei Anteilsklassen. Die Wahl zwischen SPYL und SPY5 oder zwischen VUAA und VUSA hängt deshalb allein davon ab, ob Sie die Dividenden ausgezahlt bekommen wollen.
Was es tatsächlich kostet
Die laufenden Kosten eines Fonds verstecken sich hinter der Abkürzung TER (Gesamtkostenquote). Das ist keine Gebühr, die Sie gesondert überweisen – sie wird fortlaufend dem Fondsvermögen entnommen und taucht auf keiner Abrechnung auf. Die Einzelheiten stehen im Artikel über Kosten und Gebühren beim Halten von ETFs.

Kosten von Fonds auf denselben Index. Quelle: Basisinformationsblätter und Factsheets der Emittenten.
Die Spanne aus der Tabelle, 0,03 % bis 0,12 % pro Jahr, ist der gesamte laufende Aufwand des Fonds. Aktiv verwaltete Aktienfonds liegen deutlich darüber, und dieser Abstand wiederholt sich in jedem einzelnen Jahr der Haltedauer.
Die TER ist allerdings nicht der einzige Kostenpunkt, und bei kleinen regelmäßigen Käufen ist sie nicht einmal der größte.
Einmalanlage oder regelmäßige Käufe
Wer denselben Betrag in festen Abständen anlegt, verteilt seinen Kaufpreis über die Zeit. Dieses Vorgehen heißt DCA (Durchschnittskosteneffekt): Fällt der Markt, kauft dasselbe Geld mehr Anteile, steigt er, entsprechend weniger. Die Methode verlangt nicht, den richtigen Moment zu treffen, und passt schon deshalb besser zum Einsteiger als der Versuch, den Markt zu timen.
Steigt der Markt über den betrachteten Zeitraum, bringt eine zu Beginn angelegte Einmalsumme mehr, weil die regelmäßigen Käufe zu immer höheren Kursen erfolgen.
Regelmäßig kaufen lässt sich auch automatisch. XTB bietet Investment Plans mit automatischen Zahlungen im Tages-, Wochen- oder Monatsrhythmus. Bei eToro laufen wiederkehrende Investitionen ab 25 USD im Monat.
Der S&P 500 hat wiederholt zweistellige Prozentbeträge verloren, und bis zum alten Höchststand vergingen Jahre. Wer das Geld in zwei Jahren braucht, sollte es nicht in einem Aktienfonds halten. Bevor Sie anfangen, gehört eine Reserve für die laufenden Ausgaben woanders hin.
Wo Sie den ETF kaufen
Der ETF-Kauf ist bei XTB wie bei eToro kommissionsfrei. XTB verlangt bis zu einem kumulierten Monatsumsatz von 100.000 € über alle Konten keine Kommission, darüber 0,2 % mit mindestens 10 €, verlangt keine Mindesteinzahlung und führt das Konto auf Wunsch in Euro. eToro handelt ETFs unabhängig von der Ordergröße kommissionsfrei und führt ebenfalls Euro, eine Einzahlung in Euro kommt also ohne Umtausch an. Der Übertrag dieses Guthabens in eine Dollar-Position kostet dann 0,75 %. Die Auszahlung vom Dollar-Guthaben kostet 5 USD, ausgezahlt werden mindestens 30 USD.
Ein ETF-Kauf ohne Hebel bedeutet bei eToro, dass Ihnen die Anteile wirklich gehören. Gehebelte und Short-Positionen sind CFDs.
Ihr Kapital ist gefährdet. eToro ist eine Multi-Asset-Investmentplattform. Der Wert Ihrer Anlagen kann steigen oder fallen. Ihr Kapital ist gefährdet.
Andere Wege zum Index
Ein klassischer Indexfonds. Er leistet dasselbe wie ein ETF, nur wird er nicht an der Börse gehandelt – Sie zeichnen ihn bei der Fondsgesellschaft zu einem einmal täglich festgestellten Preis. Achten Sie auf eine verbreitete Verwechslung: Ein klassischer Fonds ist nicht automatisch aktiv verwaltet und ein ETF nicht automatisch passiv. Der Vanguard 500 Index Fund ist ein klassischer Fonds, der lediglich den Index abbildet, während aktiv verwaltete ETFs inzwischen in die Hunderte gehen.
Einzelaktien aus dem Index. Theoretisch können Sie den Index selbst nachbauen. In der Praxis hieße das, mehr als fünfhundert Titel in den richtigen Anteilen zu halten und sie bei jeder Indexänderung anzupassen. Weder die Kosten noch der Zeitaufwand rechnen sich. Ein paar der größten Unternehmen aus dem Index zu kaufen ist etwas anderes, als den Index zu kaufen.
Derivate auf den Index. Futures und CFDs folgen der Indexbewegung, Aktien erwerben Sie damit keine. Es sind Hebelprodukte für die kurzfristige Spekulation und nicht für langes Halten, und Verluste vervielfachen sich genauso wie Gewinne.
Die Variante ohne US-Unternehmen behandelt der Artikel über Welt-ETFs ohne US-Aktien.
Häufige Fragen
Wie viel Geld braucht man für den Anfang?+
Das hängt am Broker, nicht am Index. XTB verlangt keine Mindesteinzahlung, die kleinste Aktienorder liegt bei 10 €. eToro nennt je nach Land eine erste Mindesteinzahlung zwischen 10 und 10.000 USD und danach mindestens 50 USD je Einzahlung. Den für Ihr Wohnsitzland geltenden Betrag erfragen Sie vor der Kontoeröffnung beim Broker.
Welcher S&P-500-ETF ist der günstigste?+
Unter den physisch replizierenden Fonds, die einem europäischen Anleger offenstehen, sind SPDR SPYL und SPY5 mit 0,03 % pro Jahr die günstigsten. Gegenüber einem Fonds mit 0,07 % beträgt der Unterschied bei 4.000 € Anlagesumme 1,60 € im Jahr. Die Kosten allein sollten also nicht entscheiden, Fondsgröße und die Frage, ob Ihr Broker die Notierung überhaupt anbietet, zählen ebenso.
Verschwindet das Währungsrisiko, wenn ich in Euro kaufe?+
Nein. Der Fonds hält US-Aktien und sein Wert wird in Dollar berechnet, den Dollar tragen Sie also auch dann, wenn Sie die Anteile in Euro bezahlt haben. Loswerden lässt er sich nur über eine währungsgesicherte Anteilsklasse, etwa den iShares S&P 500 EUR Hedged UCITS ETF (IE00B3ZW0K18). Der kostet 0,20 % statt 0,07 % und verschiebt das Risiko vom Dollar auf den Euro, statt es zu beseitigen.
Worin unterscheiden sich klassischer Fonds und ETF?+
Ein ETF wird während des Handelstags an der Börse gekauft wie eine Aktie, ein klassischer Fonds wird bei der Fondsgesellschaft zu einem einmal täglich festgestellten Preis gezeichnet. Indexfonds sind günstig, weil hinter ihnen kein Analystenteam die Aktien auswählt, und nicht, weil sie an der Börse gehandelt werden.
Was tun, wenn der Markt fällt?+
Wer am Tiefpunkt verkauft, macht aus einem Buchverlust einen echten.