CFD-Rollover und Swap: was die Nacht kostet

Martin Krpenský Redaktionell geprüft
Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit
Kumulierter Swap über zehn Handelsnächte, die Mittwochnacht zählt dreifach
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Wer zum ersten Mal eine CFD-Position über Nacht offen lässt, findet am Morgen im Kontoauszug einen Posten, mit dem er beim Einstieg nicht gerechnet hat. Der Broker nennt ihn Swap, Overnight- oder Financing-Gebühr — und bei wochenlang gehaltenen Positionen macht er aus einem schönen Trade einen verlustreichen.

Um diesen Posten herum werden zwei Begriffe verwechselt. Swap ist der Zins dafür, dass der Broker Ihre gehebelte Position über Nacht finanziert. Rollover ist etwas anderes: der Tausch eines auslaufenden Futures-Kontrakts gegen den nächsten bei Rohstoff- und Index-CFDs. Das erste ist eine laufende Kostenposition, das zweite ein technischer Vorgang, der Sie kein Geld kosten sollte.

Swap: Zins für die über Nacht gehaltene Position

Ein CFD ist ein gehebeltes Produkt. Sie bringen nur einen Bruchteil des Positionswerts auf, den Rest finanziert faktisch der Broker — und für geliehenes Geld zahlt man Zinsen.

Bei Währungspaaren ergeben sich die Kosten aus der Zinsdifferenz beider Währungen. Wenn Sie EURUSD kaufen, halten Sie Euro und „schulden“ Dollar: theoretisch vereinnahmen Sie den Euro-Zins und zahlen den Dollar-Zins. Referenzzinsen sind heute Tagessätze wie ESTR für den Euro, SOFR für den Dollar oder SONIA für das Pfund.

In der Praxis schlägt der Broker auf die Zinsdifferenz seinen eigenen Aufschlag. Deshalb kommt es regelmäßig vor, dass sowohl die lange als auch die kurze Seite desselben Paares einen negativen Swap zahlt — die Zinsdifferenz ist kleiner als der Aufschlag auf beiden Seiten.

Bei Aktien- und Index-CFDs ist die Logik einfacher: Die Long-Position zahlt den Referenzzins plus Aufschlag, die Short-Position kann den Zins theoretisch vereinnahmen, doch der Aufschlag schluckt ihn meist. Bei Krypto-CFDs rechnen Sie mit deutlich höheren Sätzen.

Wann abgerechnet wird und warum der Mittwoch dreifach zählt

Maßgeblich ist das Ende des Handelstages in New York, also 17:00 Uhr dortiger Zeit, bei uns 23:00 Uhr. Das gilt im Winter wie im Sommer: Beide Seiten des Atlantiks stellen auf Sommerzeit um, die Verschiebung hebt sich also auf. Eine Stunde früher ist es nur in den wenigen Wochen, in denen die Umstellungstermine auseinanderfallen, also rund drei Wochen im März und eine Woche um den Monatswechsel Oktober/November. Wer die Position vor dieser Stunde schließt, zahlt gar keinen Swap. Wer sie eine Minute davor eröffnet, zahlt die ganze Nacht.

Das ist die Konvention des Interbanken-Devisenmarktes. Den Abrechnungszeitpunkt legt jeder Broker selbst fest, und bei Indizes, Aktien oder Krypto ist er oft ein anderer als bei Währungspaaren — suchen Sie ihn deshalb in der Instrumentenspezifikation.

Der Devisenkassamarkt wird zwei Geschäftstage nach dem Handel abgewickelt. Beim Mittwoch-Rollover verschiebt sich das Valutadatum daher vom Freitag direkt auf den Montag, und drei Zinstage werden auf einmal gebucht: Freitag, Samstag und Sonntag. Von Mittwoch auf Donnerstag wird deshalb das Dreifache des üblichen Satzes abgezogen, und am Freitag sowie am Wochenende kommt bei Währungen nichts mehr hinzu. Das Wochenende ist also nicht kostenlos, sondern im Voraus bezahlt.

Die Grafik oben zeigt zehn solcher Nächte in zwei Wochen.

Der Mittwoch ist allerdings kein Gesetz. Bei Paaren, die einen Tag früher abgewickelt werden, tritt dieselbe Verschiebung einen Tag früher ein, und die dreifache Buchung fällt auf die Donnerstagnacht. Bei Aktien- und Index-CFDs ist meist die Freitagnacht die dreifache — dort geht es nicht um die Abwicklung, sondern schlicht um das Hinzurechnen von Samstag und Sonntag. Und vor allem: Welcher Tag es ist, bestimmt der Broker, es ist keine Regel des Marktes. Manche haben gar kein Vielfaches und ziehen die Finanzierung an jedem Kalendertag inklusive Wochenende ab, andere berechnen umgekehrt das Dreifache am Freitag für alle Instrumente einschließlich Währungen. Den Termin verschieben auch Feiertage im Land einer der Währungen. Prüfen Sie den Abrechnungstag deshalb in der Instrumentenspezifikation, bevor Sie eine Position über das Wochenende halten.

Rechenbeispiel, wie sich die Kosten summieren

Die Zahlen im Beispiel sind zur Veranschaulichung erfunden, es sind keine Sätze eines konkreten Brokers. Nehmen wir an, bei einem Lot EURUSD (100 000 EUR) beträgt der Swap für die Long-Position −6,5 USD pro Nacht.

Sie halten die Position zwei Wochen, also zehn Handelsnächte. Zwei davon sind Mittwochs-Dreifachbuchungen, abgerechnet wird deshalb das Äquivalent von vierzehn Nächten: 14 × 6,5 = 91 USD Kosten — unabhängig davon, ob der Trade im Gewinn endete.

Die Kosten wachsen mit dem Positionsvolumen und der Zeit, nicht mit dem Hebel — der Swap wird auf den vollen Nominalwert berechnet, ein höherer Hebel macht ihn also nicht billiger. Und 91 USD bei einer Position, die etwa 2 000 USD Margin absichern, sind in zwei Wochen über 4 % des eigenen Kapitals. Genau deshalb eignen sich CFDs nicht für langfristiges Halten.

Rollover: Tausch des Futures-Kontrakts

Rohstoff- und Index-CFDs bilden häufig den Preis eines Futures-Kontrakts ab — und Futures haben eine Fälligkeit. Nähert sich der Kontrakt dem Ende, überträgt der Broker die gesamte Position auf den nächsten Kontraktmonat. Das nennt man Rollover.

Der Preis des neuen Kontrakts unterscheidet sich vom alten, im Chart entsteht also ein Sprung. Der Broker gleicht ihn jedoch durch eine Korrekturbuchung auf dem Konto aus: Um wie viel der Kurs nach oben gesprungen ist, um so viel wird das Konto in die andere Richtung angepasst. Die Übertragung selbst sollte also weder Gewinn noch Verlust erzeugen.

Worauf Sie achten sollten: schwebende Orders, Stop-Loss und Take-Profit, die auf Kursen des alten Kontrakts liegen. Nach dem Rollover können sie unsinnig weit vom Markt entfernt sein — oder umgekehrt gefährlich nah. Broker veröffentlichen einen Kalender der Rollover-Termine für die einzelnen Instrumente. Prüfen Sie vor dem Übertragungsdatum Ihre Orderniveaus.

Bei CFDs ohne Fälligkeit (Währungspaare, Aktien, Kryptowährungen) gibt es einen Rollover in diesem Sinne nicht. Es fällt nur der Swap an.

Wie sich die Nachtkosten je nach Markt unterscheiden

MarktWoraus die Kosten entstehenWorauf zu achten ist
WährungspaareDifferenz der Referenzzinsen ± Aufschlagdreifache Mittwochnacht
Aktien-CFDsReferenzzins + AufschlagDividendenkorrektur bei Position über den Stichtag
Index-CFDswie Aktien, bei Futures-Varianten RolloverRollover-Kalender, Verschiebung schwebender Orders
Rohstoff-CFDsFutures-Kurve, Swap je nach Konstruktionentferntere Kontrakte sind teurer oder billiger, bei langem Halten schlägt sich das im Ergebnis nieder
Krypto-CFDstäglicher Finanzierungssatzdas Wochenende wird immer bezahlt, nur zieht es der eine nächtlich ab und der andere auf einmal

Zu Aktien noch eine Anmerkung: Wird ein CFD über den Dividendenstichtag gehalten, schreibt der Broker der Long-Position eine der Dividende entsprechende Korrektur gut und zieht sie der Short-Position ab. Das ist weder Bonus noch Strafe, sondern der Ausgleich des Kursabschlags um die Dividende.

Wo Sie die Sätze finden und wie Sie die Kosten zähmen

Den Swap finden Sie in der Instrumentenspezifikation — suchen Sie die Posten „swap long“ und „swap short“, angegeben in Punkten je Lot und Nacht oder in Prozent pro Jahr. Rechnen Sie die Punkte anhand des Punktwerts für Ihr Volumen in Geld um. Erst dann sagt die Zahl etwas aus.

Der Daytrader kümmert sich um den Swap gar nicht. Bei einer Position über Wochen rechnen Sie ihn vorher aus und nehmen ihn in den Handelsplan auf, er kann auch eine ordentliche Kursbewegung überwiegen. Beim Halten über Monate überlegen Sie, ob es statt eines CFDs nicht sinnvoller ist, den Basiswert direkt zu kaufen: echte Aktien und ETFs tragen keinen Swap.

Es gibt auch Konten ohne Swap, sogenannte Swap-free-Konten. Den Zins ersetzt dort eine feste Gebühr für das Halten der Position, die der Broker meist erst nach einigen kostenlosen Nächten abzieht, üblicherweise nach drei bis fünf. Der Spread bleibt gleich, und Swap-free gilt in der Regel nur für ausgewählte Instrumente: bei exotischen Paaren, Energie und Kryptowährungen wird der Swap weiter berechnet. Der Broker verzichtet nicht auf die Finanzierung, er benennt sie nur um.

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