In US-ETFs sind seit Jahresbeginn 2026 rund 1,3 Billionen Dollar geflossen. Die Marke von einer Billion fiel schon im Juni.
Ein Name hat dabei eine Sonderstellung. Der Vanguard S&P 500 ETF hat am 2. Juni 2026 als erster ETF ueberhaupt ein Vermoegen von mehr als einer Billion Dollar erreicht und fuehrt in diesem Jahr zugleich bei den neuen Zufluessen.
Fuenf ETFs mit den groessten Zufluessen 2026
| Platz | Fonds | Worum es geht | Nettozufluss 2026 |
|---|---|---|---|
| 1 | Vanguard S&P 500 ETF (VOO) | US-Aktien, Index S&P 500 | 76 Mrd. USD |
| 2 | SPDR Portfolio S&P 500 ETF (SPYM) | US-Aktien, Index S&P 500 | 37 Mrd. USD |
| 3 | Vanguard Total Stock Market ETF (VTI) | Der gesamte US-Aktienmarkt | 28 Mrd. USD |
| 4 | iShares 0-3 Month Treasury Bond ETF (SGOV) | US-Schatzwechsel bis 3 Monate | 25 Mrd. USD |
| 5 | Vanguard Total International Stock ETF (VXUS) | Aktien ausserhalb der USA | 16 Mrd. USD |
Gemeint ist der Nettozufluss seit Jahresbeginn, also Einzahlungen abzueglich Abfluesse. Mit der Wertentwicklung des Fonds hat das nichts zu tun.
Der Kampf um Platz zwei geht um ein Hundertstel Prozent
Ob nun IVV oder SPYM Zweiter ist, beide bilden genau dasselbe ab: den Index S&P 500. Ihre Portfolios sind praktisch nicht zu unterscheiden, und auch die Wertentwicklung weicht nur unwesentlich ab.
Der Unterschied liegt im Preis. SPYM von State Street verlangt 0,02 Prozent im Jahr, iShares Core S&P 500 und Vanguard S&P 500 jeweils 0,03 Prozent. Ein Hundertstel Prozent klingt nach nichts, bei 100.000 Euro sind es zehn Euro mehr im Jahr, und bei Milliardenvolumen wird daraus der Grund, warum Geld von einem Anbieter zum naechsten wandert.
Von der Groesse her sind die Fonds noch nicht vergleichbar. IVV verwaltet 901 Milliarden Dollar, SPYM 157 Milliarden. SPYM waechst aber schneller, eben wegen der Gebuehr.
Bitcoin ist aus den Top fuenf gefallen
IBIT lag im gesamten Vorjahr mit knapp 25 Milliarden auf Platz fuenf. In diesem Jahr reicht es nicht mehr in die Spitzengruppe.
Das heisst nicht, dass Bitcoin-Fonds kein Interesse mehr finden. Eher, dass der erste Ansturm nach dem Start der Spot-Bitcoin-Fonds aussergewoehnlich war und sich ein solcher Zufluss nicht jedes Jahr wiederholt.
Warum Geld in einen Fonds fliesst, der keine Aktien kauft
SGOV haelt US-Schatzwechsel mit einer Laufzeit von bis zu drei Monaten. Derzeit sind vierundzwanzig davon im Portfolio. Sein Vermoegen naehert sich hundert Milliarden Dollar, obwohl es den Fonds erst seit Mai 2020 gibt.
Eine Anlage im ueblichen Sinn ist das nicht. Es ist ein Ort, an dem Geld wartet. Wer Bargeld auf dem Brokerkonto haelt und es nicht liegen lassen will, kauft SGOV und kassiert den Zins kurzlaufender Staatsanleihen. Verkaufen laesst sich jederzeit waehrend des Handelstages.
Die dauerhafte Praesenz in den Top fuenf ist deshalb ein guter Hinweis darauf, wie viel Geld abseits wartet.
Die Gebuehr von 0,09 Prozent im Jahr ist dabei dreimal so hoch wie bei den Aktienfonds in der Tabelle. Bei einem Instrument, das Bargeld ersetzen soll, ist das nicht zu vernachlaessigen.
Worin sich die Fonds unterscheiden
VOO, SPYM und IVV bilden ein und denselben Index ab, den S&P 500. Sie unterscheiden sich in Gebuehr und Anbieter. Dass drei von fuenf Plaetzen an Fonds auf grosse US-Unternehmen gehen, zeigt, wohin nach wie vor der Grossteil des Geldes laeuft. Was dieser Index langfristig abwirft, steht in einem eigenen Text zur durchschnittlichen Jahresrendite des S&P 500.
VTI geht noch breiter. Er haelt rund 3.500 Titel, also praktisch den gesamten US-Aktienmarkt samt kleinerer Unternehmen. Er verwaltet 696 Milliarden Dollar und existiert seit Mai 2001, hat also fuenfundzwanzig Jahre hinter sich, darunter zwei grosse Krisen.
VXUS ist sein Gegenstueck fuer den Rest der Welt. Er haelt Aktien entwickelter und aufstrebender Maerkte ausserhalb der USA und ist oft die zweite Haelfte eines Zwei-Fonds-Portfolios.
SGOV passt seiner Natur nach nicht in diese Gesellschaft. Die anderen vier sind Anlagen, dieser hier ist ein Wartezimmer.
Wie das gesamte Vorjahr ausfiel
Die laufenden Zahlen bewegen sich noch, die abgeschlossene Statistik fuer 2025 nicht mehr. Und der Vergleich lohnt sich.
In US-ETFs flossen im gesamten Vorjahr 1,48 Billionen Dollar, so viel wie nie zuvor. Die Top fuenf sahen so aus: VOO mit 143 Milliarden, bis heute der hoechste Jahreszufluss, den je ein ETF verzeichnet hat, iShares Core S&P 500 mit 78 Milliarden, VTI und SGOV mit jeweils 39 und der Bitcoin-Fonds IBIT mit 25 Milliarden.
Zwei Dinge folgen aus dem Vergleich. VOO fuehrte im Vorjahr wie in diesem Jahr, und sein Vorsprung schrumpft nicht. Und SGOV ist zwei Jahre hintereinander in den Top fuenf, der Parkplatz fuer Bargeld ist also kein einmaliger Ausschlag.
Was daraus folgt
Die staerkste Botschaft dieser Tabelle ist langweilig. Der ueberwiegende Teil des neuen Geldes geht in einige wenige breite, billige und laengst bekannte Fonds. Keiner davon ist thematisch, keiner setzt auf einen einzelnen Sektor.
Die zweite Botschaft ist vorsichtiger. Wenn in den Parkplatz fuer Bargeld fuenfundzwanzig Milliarden stroemen, heisst das, dass ein grosser Teil der Anleger nicht voll investiert sein will.
Und drittens: Ein Kapitalzufluss ist keine Empfehlung. Er zeigt, wohin andere ihr Geld schicken, nicht, was Rendite bringen wird. Der am schnellsten wachsende Fonds des Jahres kann zugleich derjenige sein, der nach dem groessten Anstieg gekommen ist.
Fuer die meisten bleibt gueltig, was die Tabelle indirekt sagt: ein breit gestreuter Fonds mit niedrigen laufenden Kosten reicht in der Regel. Die Komplexitaet eines Portfolios erhoeht die Rendite nicht von allein.
Die Zufluesse sind laufende Werte von Anfang 2026 bis in den Sommer. Fondsvermoegen und Gebuehren beziehen sich auf August 2026 und stammen aus den Datenblaettern der einzelnen Fonds.